Zur Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München ermittelte die Deutsche Handwerks Zeitung die Konjunkturtendenzen für das Handwerk im Jahr 2010. Der konjunkturelle Tiefpunkt ist überwunden, nun zeichnet sich laut der Konjunkturumfrage der DHZ unter 8.000 Betrieben im Bundesgebiet für 2010 ein mühsamer Stabilisierungskurs ab.
Holpriger Stabilisierungskurs
Das Handwerk geriet 2009 in den Sog der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und verzeichnete – ähnlich wie die Gesamtwirtschaft – deutliche Produktionseinbußen. Nachdem mittlerweile der konjunkturelle Tiefpunkt überwunden ist, zeichnet sich für 2010 ein mühsamer Stabilisierungskurs ab. Innerhalb des Handwerks ist mit gegenläufigen Entwicklungen zu rechnen: Während das Baugewerbe und das Zuliefererhandwerk auf moderate Besserungstendenzen hoffen können, muss sich das Kraftfahrzeuggewerbe auf Umsatzverluste einstellen.
In den konsumnahen Branchen dürfte sich die Geschäftstätigkeit – vor dem Hintergrund der verhaltenen Verbrauchskonjunktur – etwa auf Vorjahresniveau bewegen. Alles in allem wird der nominale Handwerksumsatz geringfügig zunehmen, real aber nochmals leicht sinken. Auch die Beschäftigung wird unter dem Vorjahresstand bleiben.
Die Beschäftigung erwies sich 2009 angesichts des heftigen Konjunktureinbruchs als erstaunlich robust. Im Jahresmittel ist die Zahl der im Handwerk tätigen Personen nur um 1,5 Prozent gesunken. Zur Jahreswende 2009/2010 lag das Minus allerdings schon bei fast 2,0 Prozent, so dass die Beschäftigungsentwicklung bereits mit einem deutlichen Rückstand ins neue Jahr gestartet ist. Zudem hat der ungewöhnlich harte und schneereiche Winter in den ersten Monaten des laufenden Jahres im Baugewerbe zu stärkeren Produktionsbehinderungen und damit zu mehr Entlassungen geführt als sonst üblich. Zwar wird es im Frühjahr wieder zu Personalaufstockungen kommen, die sich aber weitgehend auf das saisonübliche Maß beschränken dürften. Denn zusätzliche konjunkturelle Beschäftigungsimpulse sind vorerst nicht zu erwarten. Vielmehr ist zu befürchten, dass einige Branchen als Folge der letztjährigen Krise noch ihre Mitarbeiterzahl reduzieren müssen. Vor allem im Kraftfahrzeuggewerbe sind wegen des erheblichen Nachfrageausfalls Arbeitsplatzverluste wahrscheinlich. Im krisengeschüttelten Zuliefererbereich sind ebenfalls noch Jobs gefährdet.
Die übrigen Branchen sollten trotz verhaltener Konjunktur ihre Belegschaft annähernd stabil halten können. 2010 zeichnet sich für das Gesamthandwerk im Jahresdurchschnitt ein Beschäftigungsverlust von knapp einem Prozent ab.
Die Umsätze sind 2009 im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Rezession deutlich gesunken. Für den Prognosezeitraum ist zwar mit einer verhaltenen Erholung der Umsatztätigkeit zu rechnen, eine Aufwärtsentwicklung auf breiter Front ist aber nicht in Sicht. Innerhalb des Handwerks sind gegenläufige Tendenzen zu erwarten: Das Baugewerbe wird dieses Jahr die Umsätze moderat ausweiten. Wachstumsträger sind dabei der Wohnungs- und der öffentliche Bau, die weiterhin von den staatlichen Fördermaßnahmen profitieren werden. Dagegen werden vom gewerblichen Bausektor nach wie vor bremsende Effekte ausgehen. Bei den Zulieferern gibt es nach dem dramatischen Absturz mittlerweile Anzeichen für eine Stabilisierung, die im Laufe des Jahres in einen Aufwärtstrend münden sollte. Damit ist für die Branche im Jahresdurchschnitt, nicht zuletzt aufgrund von Basiseffekten ein Umsatzplus durchaus realistisch.
Das Kraftfahrzeuggewerbe muss sich 2010 auf sinkende Umsätze einstellen, weil aufgrund der Abwrackprämie viele Autokäufe vorgezogen wurden. Wie hoch das Minus letztlich ausfällt, ist derzeit aber schwer abzuschätzen. Die konsumnahen Branchen dürften 2010 ihre Verkaufszahlen trotz der eher schwachen Verbrauchskonjunktur einigermaßen stabil halten. Summa summarum wird der nominale Handwerksumsatz minimal steigen (+0,5 Prozent); preisbereinigt bedeutet das nochmals einen Rückgang.
Die Investitionsausgaben haben die Betriebe im vergangenen Jahr kräftig eingeschränkt. Ausschlaggebend hierfür waren die infolge des Konjunktureinbruchs spürbar gesunkene Kapazitätsauslastung sowie die eingetrübten Geschäftsaussichten. Im Jahr 2010 wird sich das Investitionsklima zwar wieder etwas aufhellen, eine nachhaltige Investitionsbelebung ist gleichwohl nicht erkennbar.
Die leichte Verbesserung der konjunkturellen Rahmenbedingungen sollte aber eine Stabilisierung auf dem zuletzt erreichten Niveau absichern. In den meisten Branchen sind die freien Kapazitäten weiterhin zu hoch, um die Betriebe zu einem verstärkten Kauf von Ausrüstungsgütern zu animieren. Darüber hinaus lassen die Absatzperspektiven auch auf keinen raschen Anstieg der Auslastung schließen. Außerdem hat die gerade überstandene Rezession bei zahlreichen Firmen die ohnehin recht schmale Eigenkapitalausstattung und die Ertragslage weiter geschmälert, was die Finanzierung möglicher Investitionen erschwert. Im zweiten Halbjahr dürften die Investitionsaktivitäten aufgrund des Wegfalls der degressiven Abschreibung etwas anziehen. Insgesamt wird das Investitionsbudget mit 12,2 Milliarden Euro knapp über der Vorjahreshöhe liegen.
Die Ertragslage wurde 2009 von dem tiefen Konjunktureinschnitt erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Die Betriebe werden auch im laufenden Jahr noch unter den Nachwirkungen der Krise zu leiden haben. Die verhaltene Kundennachfrage und der scharfe Wettbewerb lassen bei den Verkaufspreisen keine nennenswerten Steigerungsraten zu. Ferner belastet die andauernde Unterauslastung die Produktivität und damit auch die Ertragskraft, zumal auf der Kostenseite das Einsparungspotenzial beinahe ausgereizt ist.
dhz
