"Das ist ein eklatanter Widerspruch, der in einer Person nicht aufzulösen ist" Kritik an Piech wegen Doppelrolle bei VW und MAN

Die Doppelrolle von Ferdinand Piech bei der beabsichtigten Übernahme des Lastwagenbauers MAN durch Volkswagen sorgt bei Investoren für Unmut. Piech führt den Aufsichtsrat beider Unternehmen. "Das ist ein eklatanter Widerspruch, der in einer Person nicht aufzulösen ist", sagte Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment, der "FAZ".

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Kritik an Piech wegen Doppelrolle bei VW und MAN

Frankfurt/Main (dapd). Die Doppelrolle von Ferdinand Piech bei der beabsichtigten Übernahme des Lastwagenbauers MAN durch Volkswagen sorgt bei Investoren für Unmut. Piech führt den Aufsichtsrat beider Unternehmen. "Das ist ein eklatanter Widerspruch, der in einer Person nicht aufzulösen ist", sagte Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment, der "FAZ" (Samstagausgabe). Er frage sich, wessen Interessen der Chef beider Kontrollgremien vertrete. "Piech sollte eines dieser beiden Mandate niederlegen", forderte der Fondsmanager.

Hans-Christoph Hirt, Manager des britischen Pensionsfonds Hermes, fordert laut dem Bericht, dass sich Piech und die anderen mit VW verbandelten MAN-Aufsichtsräte nicht an den Beratungen und Entscheidungen über die VW-Offerte beteiligen.

"Ein unabhängiger Ad-hoc-Ausschuss des Aufsichtsrats sollte das Angebot bewerten und dafür sorgen, dass die Interessen der außenstehenden Aktionäre angemessen berücksichtigt werden", sagte Hirt demnach. Die Frage sei aber, inwieweit ein Aufsichtsrat wirklich unabhängig entscheiden könne in einer Situation, wo klar sei, dass VW eine Hauptversammlungsmehrheit hat und den Aufsichtsrat falls nötig entsprechend umgestalten könnte.

Der Münchener Betriebswirtschaftsprofessor Manuel Theisen, ein Spezialist in Sachen Unternehmensführung, hält Piechs Doppelrolle dem Bericht zufolge für einen schlimmen Verstoß gegen den Corporate-Governance-Kodex. "In Gestalt des sehr starken Aufsichtsratsvorsitzenden Piech wird das Unternehmen nicht mit hinreichend unabhängigem Geist vertreten", sagte Theisen der Zeitung. "Das kann ja auch gar nicht sein. Piech müsste ja mit gespaltenem Kopf gegen sich selber verhandeln und damit auch gegen einen Teil seiner Interessen."

Volkswagen wies die Kritik zurück, wie es in dem Bericht heißt. Piech wisse zwischen seinen Rollen in den beiden Unternehmen zu trennen. "Es wird insofern sorgfältig geprüft, ob ein Interessenkonflikt vorliegt und ob eine Stimmenthaltung angezeigt ist", sagte eine VW-Sprecherin der "FAZ".

dapd