Westerwelle zieht sich mit altem Seefahrerspruch aus dem Parteivorsitz zurück Der "Kapitän" tritt ab

Bei seiner Abschiedsrede erinnerte Guido Westerwelle an eine "Jugendsünde". Er meinte den Seefahrerspruch, mit dem er bei seinem Antritt als FDP-Chef 2001 seinen Führungsanspruch formulierte. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt, und das bin ich!", stellte der neue "Kapitän" damals klar.

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Der "Kapitän" tritt ab

Rostock (dapd). Bei seiner Abschiedsrede erinnerte Guido Westerwelle an eine "Jugendsünde". Er meinte den Seefahrerspruch, mit dem er bei seinem Antritt als FDP-Chef 2001 seinen Führungsanspruch formulierte. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt, und das bin ich!", stellte der neue "Kapitän" damals klar. Mit denselben Worten zog sich der 49-Jährige auf dem Bundesparteitag in Rostock am Freitag - zehn Jahre später und deutlich demütiger - aus seinem Parteiposten zurück. Nur fügte er hinzu: "Jetzt nicht mehr."

Es war ein schwieriger Auftritt für Westerwelle. In den vergangenen Wochen war er mit heftiger Kritik aus seiner krisengebeutelten Partei konfrontiert. Selbst nach seinem angekündigten Rückzug aus dem FDP-Vorsitz ebbten die Vorwürfe nicht ab. Noch bis kurz vor dem Parteitag wurde diskutiert, ob über seinen Verbleib im Auswärtigen Amt abgestimmt werden soll. Doch das Scherbengericht fand nicht statt. Eher im Gegenteil: Mit einem siebenminütigen Applaus bedankte sich die Mehrheit der rund 660 Delegierten bei dem sichtlich gerührten Westerwelle. Und auch in der Debatte überwog am Ende das Lob für den "lieben Guido".

Der Grund waren wohl die Appelle aus der neuen FDP-Führung. Der neue Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle - der noch zum Jahreswechsel als möglicher Nachfolger Westerwelles gehandelt wurde - hob zu Beginn des Parteitags die Verdienste Westerwelles hervor. "Der bislang größte Erfolg bei einer Bundestagswahl wird immer mit deinem Namen verbunden sein", dankte er seinem scheidenden Chef. Am Vortag hatte Brüderle seinen neuen Vizefraktionschef Martin Lindner davon abgebracht, einen Antrag über die politische Zukunft Westerwelles einzubringen.

Der neue "Kapitän" Philipp Rösler wies die Kritiker ebenfalls Westerwelles zurecht. Die meisten Liberalen hätten ihre Mandate, Ämter und Funktionen den Erfolgen des Parteichefs zu verdanken, erinnerte er. Das "Geschenk, dass wir dir schuldig sind, ist der Respekt für deine Leistung, für deine Person und für dein Amt des Außenministers", bedankte er sich.

Versöhnlich zeigte sich sogar Dauerkritiker Wolfgang Kubicki. Schleswig-Holsteins Fraktionschef hob hervor: "Die FDP hat ein Markenproblem und dieses Markenproblem heißt nicht Guido Westerwelle."

Kritik an seiner eigenen Arbeit äußerte somit vor allem der langjährige Vorsitzende selbst. "Wer so lange eine Partei führt, der macht auch Fehler", sagte er. Und niemand werfe sich die Fehler mehr vor "als ich mir selbst". Dennoch: "Die letzten zehn Jahre waren durchaus positiv unter dem Strich."

Er gehe zwar mit Wehmut, aber nicht im Zorn oder Traurigkeit von Bord, betonte Westerwelle. Er empfinde "richtig viel Dankbarkeit im Herzen", die Liberalen zehn Jahre anführt zu haben. Fast erleichtert fügte er in einem Appell an den Teamgeist hinzu, ab sofort werde in der ersten Reihe der Kritik die neue Führung stehen. Westerwelle selbst will sich innenpolitisch künftig zurückhaltend. Er versicherte: "Ich werde meinem Nachfolger nicht ins Lenkrad greifen."

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