Siemens baut ab sofort 220 neue Fernzüge für die Deutsche Bahn. Die Vorstandschefs Peter Löscher und Rüdiger Grube unterschrieben am Montag in Potsdam den mehr als sechs Milliarden Euro schweren Vertrag. Die ersten Züge sollen ab 2016 fahrplanmäßig fahren und die teils Jahrzehnte alte Intercity-Flotte ersetzen.
Siemens und Deutsche Bahn schließen "Ehe auf 30 Jahre"
Potsdam (dapd). Siemens baut ab sofort 220 neue Fernzüge für die Deutsche Bahn. Die Vorstandschefs Peter Löscher und Rüdiger Grube unterschrieben am Montag in Potsdam den mehr als sechs Milliarden Euro schweren Vertrag. Die ersten Züge sollen ab 2016 fahrplanmäßig fahren und die teils Jahrzehnte alte Intercity-Flotte ersetzen.
Diese sowie die bereits laufenden Züge des Typs ICE 1 und 2 erneuert die Bahn bis dahin noch einmal gründlich. Grube sagte, bis 2020/25 solle das Aufkommen im Fernverkehr der DB AG um 25 Prozent gesteigert werden.
Es ist der größte Auftrag in der 17-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG, für Grube ein Quantensprung und eine "Ehe auf 30 Jahre", die damit geschlossen werde. Die neuen Züge leiteten eine Standardisierung ein "und werten dabei auch den Intercity und den Eurocity erheblich auf", sagte er beim Festakt zur Unterzeichnung im alten Kaiserbahnhof, der heute als Führungsakademie der DB AG dient.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte den Auftrag ein "kleines Konjunkturprogramm", das Auswirkungen auf den Mittelstand bis hin zu kleinen Unternehmen haben würde. Siemens-Chef Löscher äußerte die Hoffnung, die Fahrzeuge würden ein Exportschlager. Sein für Schienenverkehr zuständiger Vorstand Hans-Jörg Grundmann verwies darauf, dass die in Deutschland mit 53 Exemplaren eingesetzte ICE-3-Familie inzwischen mehr als 200 Exemplare weltweit umfasse.
Die neuen Züge können als Baukastensystem flexibel unterschiedlichen Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Kapazität gerecht werden. Zuerst ruft die DB 130 Züge ab; weitere 90 sind geplant. Ein 400 Meter langer Zug kann dann bei gleichem oder größerem Sitzabstand wie heute 1.100 statt bisher 800 Fahrgäste befördern, weil der Antrieb unter dem Passagierraum untergebracht ist.
Vor dem Einsatz im Regelbetrieb und der Serienfertigung sollen die Züge erst mehrere Monate ohne zahlende Fahrgäste getestet werden, um spätere Pannen möglichst auszuschließen. Sie sollen überdies erst vollständig bezahlt werden, wenn sie die Bahn abgenommen hat. Früher war Vorkasse üblich.
Auf den Bahn-Konkurrenten Bombardier entfällt für die 220 Züge eine Summe von 2,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Bombardier liefert die Wagenkästen und die Laufdrehgestelle der neuen ICx-Flotte. Außerdem wird das Unternehmen die Endmontage für die Endwagen und einen Teil der Mittelwagen übernehmen.
Um dem akuten Fahrzeugmangel der Deutschen Bahn schneller abzuhelfen, kommen vorher noch zahlreiche andere Züge in den Verkehr: Ende dieses Jahres sollen 16 neue Hochgeschwindigkeitszüge vom Siemens-Typ Velaro in Betrieb genommen werden, die auch durch den Kanaltunnel bis London fahren können. 2013 folgen 27 Doppelstock-Intercitys. Außerdem will Grube einen zweiten französischen TGV anmieten und 15 Intercity-Waggons aus der Schweiz kaufen.
dapd
