Der Vorsitzende des Beirates der Stasi-Unterlagen-Behörde, Richard Schröder, hat den neuen Behördenchef Roland Jahn aufgefordert, bei seiner Arbeit nicht allein die Perspektive der Opfer des SED-Regimes einzunehmen. "Dass die Perspektive der Opfer das letzte Wort hat, ist nicht in Ordnung", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung".
"Opfer und Täter sind befangen"
Halle (dapd). Der Vorsitzende des Beirates der Stasi-Unterlagen-Behörde, Richard Schröder, hat den neuen Behördenchef Roland Jahn aufgefordert, bei seiner Arbeit nicht allein die Perspektive der Opfer des SED-Regimes einzunehmen. "Dass die Perspektive der Opfer das letzte Wort hat, ist nicht in Ordnung", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Opfer und Täter sind befangen. Der Bundesbeauftragte hat die Aufgabe, die Behörde in der Mitte zu halten." Schröder fügte hinzu: "Man darf auch Opfer kritisieren."
Er monierte insbesondere Jahns Versuch, ehemalige Stasi-Mitarbeiter aus der Behörde zu entfernen, als überzogen. Zunächst einmal seien seit Bestehen der Behörde mehrere Versuche unternommen worden, diese Mitarbeiter loszuwerden. Das sei misslungen. Auch ein von Jahn in Auftrag gegebenes Gutachten werde daran nichts ändern. Überdies werde die Bedeutung dieser Mitarbeiter überschätzt. Denn sie seien "nicht repressiv tätig" gewesen. Jahn mache Pförtner und Archivare zu "Haupttätern der Stasi", so der Beiratsvorsitzende. "Das kann der Vergangenheitsbewältigung nicht dienlich sein."
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz hatte Jahn sogar die Eignung für das Amt abgesprochen. "Ich habe ihn gewählt, aber ich habe mich geirrt", sagte Wiefelspütz dem Nachrichtenmagazin "Focus". Jahn gehe als "Eiferer" gegen die 48 stasibelasteten Mitarbeiter in seiner Behörde vor und habe "Schaum vorm Mund". Die Stasi-Unterlagenbehörde sei "keine Einrichtung, in der es um Menschenjagd geht".
dapd
