Ein informelles Treffen einiger Euro-Finanzminister hat am Wochenende eine Debatte über angebliche Erwägungen Griechenlands zum Austritt aus der Gemeinschaftswährung ausgelöst. Die zunächst geheim gehaltene Zusammenkunft fand am Freitagabend in Luxemburg statt.
Informelles Euro-Treffen befeuert Debatte über Athens Schuldenkrise
Berlin/Brüssel (dapd). Ein informelles Treffen einiger Euro-Finanzminister hat am Wochenende eine Debatte über angebliche Erwägungen Griechenlands zum Austritt aus der Gemeinschaftswährung ausgelöst. Die zunächst geheim gehaltene Zusammenkunft fand am Freitagabend in Luxemburg statt. "Spiegel Online" berichtete, Athen denke über einen Euro-Ausstieg nach, was aber umgehend von der Eurogruppe, Griechenland und der Bundesregierung dementiert wurde. Seitdem kommen die Spekulationen über einen Ausweg Athens aus der Schuldenkrise nicht zur Ruhe.
"Wir haben nicht vor, dass die Eurozone ohne Grund explodiert", sagte der luxemburgische Ministerpräsident und Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, laut Medienberichten nach dem Treffen am Freitagabend. Man wolle kein Szenario eingehen, Griechenland aus der Eurozone auszuschließen oder austreten zu lassen.
Ein Sprecher Junckers sagte, an dem Treffen hätten die Finanzminister der Eurostaaten teilgenommen, die zur Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) zählen. Das sind Deutschland, Italien und Frankreich. Aus der Mitteilung des Juncker-Sprechers geht nicht hervor, ob auch Vertreter weiterer Staaten an dem Treffen teilnahmen. Laut Medienberichten nahmen auch Vertreter Finnlands sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, an dem Treffen teil.
Das Treffen fand genau ein Jahr, nachdem sich die EU-Finanzminister auf das 750-Milliarden-Euro-Stabilisierungspaket geeinigt hatten, statt. "Das war kein Krisentreffen zu Griechenland", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn, Amadeu Altafaj Tadio. Ein Sprecher der griechischen Regierung erklärte, die Zusammenkunft sei auf Wunsch Junckers geheim gehalten worden. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bezeichnete den "Spiegel Online"-Bericht als Panikmache. "Ich rufe alle dazu auf, die griechische Regierung ihre Arbeit erledigen zu lassen", sagte Papandreou.
Ökonom Sinn hält Euro-Ausstieg Athens für "kleineres Übel"
Der Chef des Münchner Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts, Hans-Werner Sinn, sprach sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" für einen Ausstieg Athens aus der Gemeinschaftswährung aus. Das sei besser als eine Fortsetzung des rigiden Sparkurses, der die Wirtschaft abwürge. "Das Land geriete an den Rand des Bürgerkriegs", sagte er dem Blatt. "Der Austritt aus dem Euro wäre das kleinere Übel."
Griechenland könne dann seine Währung abwerten, dadurch würden seine Exporte billiger und das Land damit wettbewerbsfähiger. Allerdings müssten die Gläubiger Athen einen Teil seiner Auslandsschulden erlassen, sagte Sinn demnach weiter.
Der Ökonom Clemens Fuest, Leiter des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung, sprach sich in der "FAS" dafür aus, zunächst einen Teil der Schulden Griechenlands zu erlassen. "Im zweiten Schritt kann man darüber nachdenken, ob Griechenland in der Euro-Zone bleiben will."
Viele Experten rechnen zumindest damit, dass die Gläubiger Griechenland über kurz oder lang einen Teil der Schulden erlassen müssen. "Eine Umstrukturierung lässt sich nicht vermeiden", sagte Barry Eichengreen, Professor an der US-Elite-Uni Berkeley, der "Welt am Sonntag". Ein solcher Schritt würde allerdings bedeuten, dass deutsche Banken und die Bundesregierung auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten.
Euro stürzt ab
Trotz aller Dementi seitens der Politik nahmen die Märkte die Gerüchte über den drohenden Euro-Austritt Griechenlands ernst: Der Euro verlor am Freitagabend mehr als einen Cent zum Dollar. Die Gemeinschaftswährung ging mit einem Stand von 1,4336 Dollar ins Wochenende, das waren mehr als zwei Cent weniger als das Tageshoch am Freitag.
dapd
