Besuch bei ThyssenKrupp gestrichen Wulff kehrt wegen Flugzeugpanne per Linienflug aus Brasilien zurück

Staatsbesuch mit Turbulenzen: Ein technischer Defekt an seinem Flugzeug hat am Wochenende die Heimreise von Bundespräsident Christian Wulff von seiner einwöchigen Südamerika-Reise verzögert. Am Sonntag sollte er mit einem Linienflug aus Brasilien zurückkehren.

Foto: dapd

Wulff kehrt wegen Flugzeugpanne per Linienflug aus Brasilien zurück

Sao Paulo (dapd). Staatsbesuch mit Turbulenzen: Ein technischer Defekt an seinem Flugzeug hat am Wochenende die Heimreise von Bundespräsident Christian Wulff von seiner einwöchigen Südamerika-Reise verzögert. Am Sonntag sollte er mit einem Linienflug aus Brasilien zurückkehren. Zuvor hatte Wulff einen kurzfristig einen Besuch einer Stahlhütte von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro gestrichen, da Entlassungspläne des Konzerns bekannt geworden waren.

Kurz vor dem geplanten Abflug des Bundespräsidenten, seiner Frau Bettina und seiner Delegation am Samstagmorgen aus Sao Paulo streikte der alte Airbus "Konrad Adenauer" der Flugbereitschaft. Der A 310, der in Kürze außer Dienst gestellt wird, hatte einen Schaden am Kühlaggregat. Ein Ventilator, der die Elektronikanlage des Flugzeugs kühlt, sei defekt, teilte der Chef des Bundespräsidialamts, Lothar Hagebölling, mit. Das Ersatzteil werde nun aus Deutschland nach Brasilien geflogen. Der Abflug wurde auf Sonntag verschoben.

Für das Ehepaar Wulff und einen Teil der Delegation wurde in Sao Paulo noch kurzfristig ein Ausflugsprogramm zusammengestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte dem Staatsoberhaupt per SMS einen "wunderschönen Tag in Brasilien".

Offizieller Termin am Montag in Berlin

Am Nachmittag traten Wulff und seine Frau sowie ihre Begleitung die Rückreise mit einem Linienflug an. Der Bundespräsident wollte nicht warten, bis die "Konrad Adennauer" wieder bereit steht. Er muss bereits am Montagvormittag um 10.00 Uhr seinen südkoreanischen Amtskollegen Lee Lee Myung-ak mit militärischen Ehren im Berliner Schloss Bellevue empfangen.

Der Großteil der Delegation fuhr am Samstag ans Meer in die Hafenstadt Santos, um dort unter anderem eine alte Kaffeebörse zu besichtigen. Sie werden erst am Montag in Berlin zurückerwartet.

Der Pannen-Airbus absolvierte nach Südamerika offenbar eine seiner letzten Reisen. Der Name "Konrad Adenauer" ist bereits entfernt. Ein moderner Airbus A 340 ist der Flugbereitschaft schon vor einigen Wochen übergeben worden, wird einem Luftwaffe-Sprecher zufolge aber noch nicht genutzt. Er ist ebenfalls auf den gleichen Namen getauft. Die Flugbereitschaft verfügt noch über einen weiteren alten A 310, der ebenfalls durch eine generalüberholte Maschine ersetzt werden soll. Die aktuelle Panne sei "nicht dramatisch". Wegen des Alters der Maschine seien Ersatzteile aber nicht so leicht zu beschaffen, sagte der Sprecher.

Die alten Airbus-Flugzeuge haben deutschen Spitzenpolitikern schon mehrfach Änderungen ihrer Reisepläne aufgezwungen. So musste Wulffs Vorgänger im Amt, Horst Köhler, einmal die Rückreise aus China per Linienflug absolvieren.

Wulff wollte bei ThyssenKrupp in Brasilien vermitteln

Am Freitagabend hatte Wulff mitgeteilt, dass ein geplanter Zwischenstopp bei einer Stahlhütte von ThyssenKrupp wegen der Pläne für Massenentlassungen gestrichen wird. Er wünschte seiner Begleitung noch scherzhaft, "sich entspannt von diesem schönen Land zu verabschieden". Offenbar war er aber verärgert über die kurzfristig erzwungene Programmänderung.

Zum Abschluss seiner einwöchigen Lateinamerikareise, die ihn nach Mexiko und Costa Rica zum Staatsbesuch nach Brasilien führte, wollte Wulff dem Essener Konzern zu Hilfe eilen. ThyssenKrupp hat in das Werk in der Nähe von Rio de Janeiro über fünf Milliarden Euro investiert. Dann regte sich Widerstand von Umweltschützern. Der Bundespräsident sagte seine Hilfe zu, um die Schwierigkeiten zu überwinden.

Der hochverschuldete Konzern hatte Ende letzter Woche mitgeteilt, er wolle sich weltweit von 35.000 Beschäftigten trennen. Die traditionsreiche Edelstahlsparte und große Teile des Autozuliefergeschäfts sollen abgespalten oder verkauft werden.

dapd