Nach mehr als acht Monaten ist das in die Kritik geratene Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" wieder zurück in der Heimat. Am Freitagmorgen erreichte die Dreimast-Bark den Marinestützpunkt Kiel. Dort nahmen Hunderte Angehörige die 181 Männer und Frauen starke Stammbesatzung unter dem Kommando von Kapitän zur See Michael Brühn in Empfang.
Segelschulschiff "Gorch Fock" wieder in Kiel eingetroffen
Kiel (dapd). Nach mehr als acht Monaten ist das in die Kritik geratene Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" wieder zurück in der Heimat. Am Freitagmorgen erreichte die Dreimast-Bark den Marinestützpunkt Kiel. Dort nahmen Hunderte Angehörige die 181 Männer und Frauen starke Stammbesatzung unter dem Kommando von Kapitän zur See Michael Brühn in Empfang.
Zur Begrüßung spielte das Marinemusikkorps auf der Tirpitzmole des Marinestützpunktes. Bereits am Donnerstag hatte das Schiff Kiel erreicht und war vor Strande nördlich von Kiel vor Anker gegangen. Beim letzten Teilstück der Reise von Strand zum Marinestützpunkt wurde die "Gorch Fock" von zahlreichen Booten begleitet. Während der Südamerikareise legte die Bark seit August 2010 insgesamt 23.800 Seemeilen (rund 44.000 Kilometer) zurück.
Nach dem tödlichen Sturz der 25 Jahre alten Offiziersanwärterin Sarah Lena S. aus der Takelage war das Segelschulschiff in die Kritik geraten. Sie war am 7. November vergangenen Jahres im brasilianischen Hafen von Salvador da Bahia im Rahmen der Segelvorausbildung aus 27 Meter Höhe auf Deck gestürzt.
Erst kurz vor Beginn der Reise war die Soldatin im August in Flensburg vereidigt worden. Auf der Feier hatte Bundespräsident Christian Wulff zu den Offiziersanwärtern gesprochen.
Anschließend waren Vorwürfe laut geworden, an Bord würden Kadetten drangsaliert. Daraufhin hatte der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Kommandanten Norbert Schatz suspendiert und eine Untersuchungskommission auf das Schiff geschickt.
Ein an den Verteidigungsausschuss des Bundestags übergebener nichtöffentlicher Bericht entlastet Schatz. In dem dapd vorliegenden Papier kommt die Marinekommission zu dem Schluss, dass "die erhobenen Vorwürfe sich zum großen Teil als nicht haltbar erwiesen haben".
Die Zukunft des Schiffes ist aber weiter offen. Vorerst ist das Schiff nicht mehr in der Fahrbereitschaft. Das Verteidigungsministerium hat sich von dem Bericht der Marinekommission distanziert. Für Juni hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) den Abschlussbericht seines Ministeriums zu den Vorfällen auf dem Segelschulschiff angekündigt.
Kritik an dem Bericht übt der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), in einem dapd vorliegenden Aktenvermerk. Demnach lasse die "Untersuchungskommission eine kritische Auseinandersetzung mit der Situation der OA (Offiziersanwärter - Anmerkung der Redaktion), insbesondere im Hinblick auf direkten oder indirekten Druck zum Aufentern, vermissen".
Zudem ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft weiter in dem Fall der verunglückten Soldatin. Deren Mutter hatte Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung gestellt. "Mit einem Abschluss der Ermittlungen wird nicht vor Juni gerechnet", sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß auf dapd-Anfrage.
dapd
