Kölner Konvertit nimmt selbst Abstand zu Totengebet für Osama bin Laden Islamprediger Vogel will trotz Verbots in Frankfurt auftreten

Der Kölner radikal-muslimische Prediger Pierre Vogel will trotz eines Veranstaltungsverbots durch die Stadtverwaltung am Samstag in der Frankfurter Innenstadt auftreten. Das Mitglied des vom Verfassungsschutz beobachteten Vereins "Einladung zum Paradies" sagte am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, er wisse nichts von einem Verbot und halte ein solches auch für absurd.

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Islamprediger Vogel will trotz Verbots in Frankfurt auftreten

Frankfurt/Main (dapd). Der Kölner radikal-muslimische Prediger Pierre Vogel will trotz eines Veranstaltungsverbots durch die Stadtverwaltung am Samstag in der Frankfurter Innenstadt auftreten. Das Mitglied des vom Verfassungsschutz beobachteten Vereins "Einladung zum Paradies" sagte am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, er wisse nichts von einem Verbot und halte ein solches auch für absurd. Seines Wissens habe die Stadt nur das angekündigte umstrittene Totengebet für den am Sonntag von US-Spezialtruppen getöteten Topterroristen Osama bin Laden verboten.

Vom Totengebet für bin Laden habe er zwischenzeitlich "wegen mehrerer religiöser Fragen" selbst Abstand genommen, sagte Vogel. Die Idee für das jedem Muslim zustehende Gebet sei ihm spontan gekommen, doch die große Entfernung zum zuletzt in Pakistan lebenden bin Laden sei ebenso problematisch gewesen wie der Umstand, dass der Führer des Terrornetzwerks Al-Kaida "für mich und meine Freunde kein Held" gewesen sei, sagte Vogel. Er habe das Totengebet für bin Laden ohnehin nie als Ehrung des Terroristen verstanden wissen wollen.

Der 32-jährige Prediger und Ex-Boxer betonte, in Frankfurt über die Unvereinbarkeit von Islam und Terror sprechen zu wollen. "Würde die Stadt Frankfurt eine solche Veranstaltung verbieten, würde sie sich selbst lächerlich machen", sagte Vogel. Er räumte ein, mit der zwischenzeitlichen Ankündigung eines Gebets für bin Laden auch Sympathisanten von dessen Ideologie anziehen zu wollen, jedoch nur, um sie zu bekehren.

Eine Sprecherin des Frankfurter Ordnungsdezernenten Volker Stein (FDP) bekräftigte, das Verbot umfasse die gesamte Veranstaltung: "Am Mittwoch stand die Ankündigung des Totengebets auf der Homepage von Herrn Vogel, auf dieser Grundlage erging das Verbot." Stadtrat Stein sagte dazu, eine derartige "öffentliche Verhöhnung der Opfer vom 11. September und zahlreicher weiterer Opfer islamistischen Terrors" sei unter keinen Umständen hinzunehmen. Dass Vogel seine Ankündigung zurückzog, gilt im Ordnungsdezernat als nicht recht glaubhaft.

Steins Sprecherin sagte, die Verbotsverfügung dürfte am Donnerstag dem Veranstalter, einem Bekannten Vogels aus dem Raum Frankfurt, zugegangen sein. Es gelte nun abzuwarten, ob dagegen gerichtlich vorgegangen werde. Vor zwei Wochen erreichte Vogel vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt und dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof, dass das Verbot einer Veranstaltung von ihm und dem wegen homophober Äußerungen aufgefallenen kanadischen Prediger Bilal Philips aufgehoben wurde.

Als zusätzliches Argument gegen die Veranstaltung führt das Ordnungsdezernat die ohnehin bereits hohe Belastung der Polizei am Samstag an. Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt spielt im letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln und gegen den Abstieg in die zweite Liga. Das Spiel gilt wegen krawallfreudiger Gruppen unter den Fans beider Mannschaften bei der Polizei als Risiko-Spiel. Wie ein Polizeisprecher sagte, seien an dem Tag mehr Beamte als sonst bei einem Heimspiel der Eintracht im Einsatz.

Bislang legte Vogel oder der Veranstalter noch keinen Einspruch gegen das Verbot der geplanten Kundgebung ein. Ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Frankfurt sagte auf dapd-Anfrage, bis Donnerstagmittag sei noch kein entsprechendes Schreiben eingegangen.

Sowohl die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) als auch der Rat der Religionen Frankfurt kritisierten Pierre Vogel. "Das angekündigte Totengebet für Osama bin Laden ist eine provokative Instrumentalisierung eines islamischen Gebets", sagte IRH-Vorsitzender Ramazan Kuruyüz. Ein öffentlicher Platz sei dafür auch der falsche Rahmen. Der Vorsitzende des Rats der Religionen, Athenagoras Ziliaskopoulos, argumentierte, Vogel legitimiere mit einem Totengebet für bin Laden dessen Ideologie des Terrors.

Innenminister Boris Rhein (CDU) betonte am Donnerstag abermals, er werde eine Gedenkveranstaltung für bin Laden in Frankfurt nicht dulden. Die Verherrlichung von Terror, der tausenden Menschen das Leben gekostet habe, habe mit Meinungsfreiheit nichts zu tun. Warum Vogel ausgerechnet in Frankfurt auftreten wolle, wisse er nicht, sagte Rhein: "Wir sind kein Salafisten-Zentrum."

dapd