Glosse Der Deal mit den Daten

Ein Gespenst geht um in Europa. Damals, als Karl Marx mit diesem Satz sein "Kommunistisches Manifest" eröffnete, war es quasi der Aufruf zu einer Massenbewegung der Unterdrückten, der die Reichen dieser Welt in Angst und Schrecken versetzen sollte. Heute reicht eine simple Daten-CD aus, um bei einigen Wohlhabenden dieses Landes für schlaflose Nächte zu sorgen. Quergedacht von Ulrich Steudel

Foto: ddp

Der Deal mit den Daten

Wovon mögen sie wohl alpträumen, die Zumwinkels dieser Republik, die ein bisschen mehr haben auf der Habenseite und ein bisschen weniger abgeben möchten, als der Fiskus ihnen für die Solidargemeinschaft abverlangt? Vielleicht treibt ja die Furcht vor dem Inkassobüro Schäuble die Steuerhinterzieher massenhaft zur Selbstanzeige? Immerhin 1.500 Namen soll die brisante CD enthalten, Namen von "ehrbaren Persönlichkeiten", die sich doch nie etwas zu schulden kommen lassen. Oder doch?

Der Finanzminister muss eine Rechnung aufmachen: Wie viel ist ein entlarvter Steuerhinterzieher wert? 2,5 Millionen Euro – so viel möchte der Datendieb für seine Beute einstreichen – geteilt durch 1.500, macht 1.667 Euro. Eine traumhafte Investition, würde der Deal mit den Daten doch geschätzte 100 Millionen Euro ins Staatssäckel pumpen. Summa summarum ein Super-Schnäppchen – Peanuts, um es mit den Worten eines ehemaligen deutschen Bankenmanagers zu sagen, der 50 Millionen Mark für offene Handwerkerrechnungen einst als Kleinigkeit abtat. Und womöglich ist sogar noch mehr zu holen: Datendiebe dieser Bankenwelt, vereinigt euch!