Arbeitsmarkt Von der Leyen will gegen Fachkräftemangel vorgehen

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will verstärkt gegen den drohenden Fachkräftemangel vorgehen. "Arbeitskräfte werden knapp werden, und wenn wir nicht handeln, wird es zu einer Wachstumsbremse kommen", warnte die Ministerin.

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Von der Leyen will gegen Fachkräftemangel vorgehen

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) könnte die Zahl der Arbeitskräfte bis 2025 von derzeit 44,6 Millionen um 6,5 Millionen auf 38,1 Millionen sinken. "Bis 2025 wird die Zahl der Erwerbstätigen um 6,5 Millionen zurückgehen“, sagte Raimund Becker, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, auf dem $(LEhttp://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/news/News-Handwerk-fordert-fairen-Wettbewerb-mit-Osteuropaeern_6209968.html:Arbeitsmarktforum des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH)|_top)$. "Da kommt ein großes Problem auf uns zu.“ Ein Problem, dass seiner Ansicht nach nur durch das Ausschöpfen in- und ausländischer Potenziale gelöst werden könne. Ausländischer Potenziale wie sie jetzt auch durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit osteuropäischer gewährt würden. Aber auch inländische Potenziale, die noch längst nicht ausgenutzt seien.

Schlummerndes Potenzial an Arbeitskräften

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen verwies bei der Vorstellung einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey darauf, dass es ein schlummerndes Potenzial von mehreren Millionen Arbeitskräften gebe. Zentrale Gruppen für das Schließen der Fachkräftelücke seien Frauen, Ältere und junge Menschen mit schlechten Startchancen.

Qualifizierte Zuwanderung könne ein weiterer Baustein sein. "Ohne die Frauen geht es nicht, weder in der Breite, noch in der Spitze", sagte von der Leyen. Durch einen Anstieg der Erwerbstätigenquote bei Frauen auf 70 Prozent und gleichzeitig höherer Stundenzahl könnte das Fachkräftepotenzial um rund eine halbe Million bis 1,5 Millionen erhöht werden. Auch BA-Experte Becker sieht ein sehr großes Potenzial an möglichen Arbeitskräften – insgesamt rund 1,2 Millionen – bei den Frauen. Handwerkspräsident Kentzler sieht die Möglichkeit, den Fachkräftebedarf durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Auch dürfe man auf ältere Arbeitnehmer nicht vorzeitig verzichten. Vielmehr müsse alles getan werden, um durch gesundheitliche Prävention und durch gezielte Weiterbildung, sie möglichst lange in Arbeit zu halten.

Strategiepapier im Mai

Noch im Mai will die Bundesregierung ein Strategiepapier ins Kabinett einbringen, in dem der momentane Stand des Fachkräftemangels analysiert wird und zugleich Herausforderungen skizziert werden. Das "Konzept Fachkräftesicherung" befinde sich derzeit im Abstimmungsprozess mit den betroffenen Ministerien. Parallel dazu fänden Gespräche mit den Sozialpartnern statt, sagte die CDU-Politikerin.

Darüber hinaus kündigte von der Leyen ein Konzept an, in dem aufgezeigt werden soll, in welchen Ländern die Suche nach potenziellen Fachkräften besonders aussichtsreich erscheint.

McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern betonte, auch die Unternehmen hätten eine Verantwortung. "Gebratene Tauben, die quasi von allein den Untenehmen ins Maul fliegen, wird es hier in Zukunft nicht mehr geben", sagte er. Sollte es nicht gelingen, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, werde Deutschland ein enormes Wachstumspotenzial vergeben.

Die McKinsey-Studie nennt Strategien, wie Unternehmer auf den Fachkräftemangel reagieren sollten:

1. Interne Reserven besser ausschöpfen. "Mitarbeiterinnen besser zu fördern und ihre Chancengleichheit sicherzustellen, ist ebenso Bestandteil einer erfolgreichen Fachkräftestrategie wie die Vermeidung von Frühverrentung", sagt Katrin Suder, Leiterin des Beratungsbereichs Öffentlicher Sektor bei McKinsey.

2. Die eigene Wettbewerbsposition als Arbeitgeber stärken. Die Mitarbeiterbindung beispielsweise durch Weiterbildung zu erhöhen, gehört ebenso in dieses Maßnahmenfeld wie Kooperationen und Partnerschaften mit branchenübergreifenden Netzwerken zwischen Unternehmen. "Dies sind vor allem Optionen für Mittelständler, die im Alleingang nicht immer über die kritische Größe oder einen bekannten Markennamen für nachhaltige Veränderungen verfügen", sagt Suder.

3. Der Lücke ausweichen, wenn es nicht anders geht. Wenn es etwa einem Unternehmen in einer strukturschwachen Region nicht gelingt, wichtige Stellen im IT-Bereich zu besetzen, könne zum Beispiel auf externe Dienstleister oder Outsourcing zurückgegriffen werden.

bir/dapd/ots