Merkel hat laut Regierungssprecher Seibert Verständnis für ihre Kritiker Weiter Diskussion um Merkel-Äußerung zu Tod von bin Laden

Die umstrittene Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Tötung des Al-Kaida-Terroristen Osama bin Laden sorgt weiter für Diskussionen. Der CDU-Politiker Heiner Geißler sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, zum Christlichsein gehöre auch, dass nicht jede Äußerung "pedantisch und moralisierend" auf die Goldwaage gelegt werde.

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Weiter Diskussion um Merkel-Äußerung zu Tod von bin Laden

Berlin (dapd). Die umstrittene Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Tötung des Al-Kaida-Terroristen Osama bin Laden sorgt weiter für Diskussionen. Der CDU-Politiker Heiner Geißler sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, zum Christlichsein gehöre auch, dass nicht jede Äußerung "pedantisch und moralisierend" auf die Goldwaage gelegt werde. Die Kanzlerin habe sich nach seiner Einschätzung lediglich darüber gefreut, dass es gelungen sei, dieses Problem zu lösen. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP) sagte der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstagausgabe): "Freude ist hier die falsche Kategorie." Er hingegen sei erleichtert, "dass jemandem das Handwerk gelegt worden ist, der unendliche Schuld auf sich geladen hat".

Die Kanzlerin war am Mittwoch bereits auf ihre Kritiker zugegangen. Merkel habe Verständnis dafür, dass der Satz, sie freue sich über den Tod bin Ladens, von einigen Menschen als unpassend empfunden werde, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin gesagt. Man dürfe die Äußerung aber nicht isoliert betrachten. Merkel hatte am Montag erklärt, sie freue sich darüber, "dass es gelungen ist, bin Laden zu töten".

Der Obmann der Grünen im Verteidigungsausschuss, Omid Nouripour, bezeichnete die Freude angesichts der Tötung von bin Laden durch US-Streitkräfte als "bizarr". Er sei erleichtert, dass der Terrorchef keinen Schaden mehr anrichten könne, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Allerdings könnten derartige Emotionen beispielsweise bei Menschen, die Angehörige durch Terroranschläge verloren hätten, nachsichtiger behandelt werden, als bei Merkel. Nouripour hält die Tötung bin Ladens für einen Fehler. Zwar sei er erleichtert, dass "dieser Verbrecher jetzt sein Unwesen nicht mehr treibt", sagte er. Aber sein Kopf sage ihm, dass auch im Kampf gegen Terrorismus die Regeln des Rechtsstaates bewahrt werden müssten.

Als "missverständlich und sehr irritierend" bezeichnete Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), die erste Reaktion von Merkel zur Tötung von bin Laden. "Wir sollten jetzt aber nicht belehrend auftreten", sagte der ehemalige bayerische Landtagspräsident (CSU) der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagausgabe). Jeder müsse letztlich selbst für sich entscheiden, wie er die Sache bewertet. "Aber wir müssen uns dem Rechtsstaat stellen - auch wenn es um Menschen geht, die wegen ihrer Gräueltaten in ihrer Menschenwürde kaum noch zu erkennen sind", sagte der ZdK-Präsident.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte der "Rheinischen Post" (Donnerstagausgabe): "Als Bundeskanzlerin mit Vorbildcharakter für Deutschland und als Vorsitzende einer christlichen Partei ist dieser Satz in Hinblick einer angemessenen Pietät suboptimal." Mazyek warnte auch davor, Terror mit gleicher Münze heimzuzahlen: "Der Terror in der Welt hat viel Perversion in die Weltgemeinschaft hineingetragen. Es liegt nun an uns, sich davon nicht anstecken zu lassen und jener Logik des Todes mit Würde und Entschlossenheit zu begegnen und nicht mit gleicher Münze zurückzuschlagen. Das macht uns dann wahrhaft größer."

Geißler sagte, bin Ladens Tötung sei ein "Akt der Gerechtigkeit" gewesen. Die USA befänden sich im Krieg mit Al Kaida. Wenn eine Aktion wie die Tötung bin Ladens nicht mehr möglich sei, würde das aus seiner Sicht bedeuten, "dass alle Gewaltverbrecher ihre Herrschaft über die ganze Welt ausdehnen dürfen".

Hoyer lehnte derweil nach der Tötung von bin Laden einen schnellen Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan ab. "Direkte Auswirkungen des Todes von Bin Laden auf den Einsatz in Afghanistan kann ich derzeit nicht erkennen", sagte der FDP-Politiker.

dapd