Lutheraner weisen Kritik von Bischof Müller zurück Gutes Klima

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Friedrich Weber, zeigt sich irritiert über die jüngste Kritik des katholischen Ökumene-Bischofs Gerhard Ludwig Müller an der evangelischen Seite. Auf der Leitungsebene sei das Klima zwischen den großen Kirchen "ausgesprochen gut".

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Gutes Klima

Wolfenbüttel (dapd). Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Friedrich Weber, zeigt sich irritiert über die jüngste Kritik des katholischen Ökumene-Bischofs Gerhard Ludwig Müller an der evangelischen Seite. Auf der Leitungsebene sei das Klima zwischen den großen Kirchen "ausgesprochen gut", auch Müllers "ökumenische Sprachfähigkeit" sei eigentlich sehr ausgeprägt, sagte der Braunschweiger Landesbischof am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd. Die Aussagen Müllers hätten ihn zu diesem Zeitpunkt "verwundert".

Müller hatte die evangelische Seite vergangene Woche in einem dapd-Interview aufgefordert, sich "ganz offiziell" von der Behauptung des Reformators Martin Luther zu distanzieren, dass der Papst der Antichrist sei. "Denn damit war nicht der Papst als einzelner Christ gemeint. Damit sollte die katholische Kirche in ihrem sakramentalen Selbstverständnis getroffen sein."

Weber betonte, sowohl die Kirchenleitung als auch der Rat der EKD und die Lutherische Kirche hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren Dokumenten klar von dieser Aussage Luthers distanziert. Mehr könne man nicht tun. Trotzdem tauche das Problem immer wieder auf. Diese Distanzierung sei also offenbar auf katholischer Seite nicht ausreichend rezipiert worden.

Darüber hinaus hatte der Regensburger Bischof Müller, der Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz ist, den Protestanten einen unfairen Umgang mit der katholischen Kirche vorgeworfen: "Es kann nicht einfach so weitergehen, dass immer nur wir die Angefragten oder auch Angegriffenen sind und die evangelische Seite sozusagen von der höheren Warte aus uns infrage stellt."

Weber wies diesen Vorwurf zurück. Wenn die Katholiken das so sähen, dann sei das ihr Problem. "Unser Problem ist das nicht." Es gebe jedenfalls keinen Geheimplan, die Katholiken in Situationen zu bringen, in denen sie als Verlierer dastehen. "Das ist eine falsche Wahrnehmung", stellte der Braunschweiger Landesbischof klar.

Zugleich räumte Weber ein, dass es im Verhältnis der Kirchen in den vergangenen Jahren "Phasen nicht hinreichender Kommunikation" gegeben habe. Er hoffe aber, dass sich im Zuge des Besuchs von Papst Benedikt XVI. im Herbst "noch mehr Gemeinsamkeit entwickeln lässt". Gerade in ethischen und sozialethischen Fragen sei ein gemeinsames Zeugnis der Kirchen ein "hohes Gut".

dapd