Die befürchteten schweren Ausschreitungen rund um den 1. Mai in Hamburg sind bis zum späten Sonntagabend ausgeblieben. Nach einer Demonstration für den Erhalt des Autonomentreffs "Rote Flora" in der Nacht zum Sonntag kam es auch bei einer "Revolutionären 1. Mai-Demo" am Sonntagabend lediglich zu einzelnen Rangeleien zwischen den Protestlern und der Polizei.
Befürchtete schwere Krawalle in Hamburg bleiben aus
Hamburg (dapd). Die befürchteten schweren Ausschreitungen rund um den 1. Mai in Hamburg sind bis zum späten Sonntagabend ausgeblieben. Nach einer Demonstration für den Erhalt des Autonomentreffs "Rote Flora" in der Nacht zum Sonntag kam es auch bei einer "Revolutionären 1. Mai-Demo" am Sonntagabend lediglich zu einzelnen Rangeleien zwischen den Protestlern und der Polizei. Polizeisprecher Mirko Streiber sprach auf dapd-Anfrage von einer "insgesamt eher ruhigen Situation". Es habe keinerlei schwere Ausschreitungen gegeben. Am Samstag sei es schlimmer gewesen. In einer Wochenendbilanz zählte die Polizei bis zum späten Sonntagabend 15 verletzte Polizisten. 73 Demonstranten wurden vorläufig festgenommen, weitere 78 kamen in Gewahrsam.
Dem Aufruf zur "Revolutionären 1. Mai-Demo" der linken Szene am Sonntagabend waren etwa 2.100 Personen gefolgt. Sie hatten sich zu Beginn am Altonaer Bahnhof versammelt und zogen von dort in Richtung Schlump. Vorne weg zog ein sogenannter schwarzer Block aus Mitgliedern der linksautonomen Szene. Die Polizei stoppte den Zug unterwegs mehrmals. Ein Grund seien umherfliegende Böller gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Ferner hätten sich einige Teilnehmer nicht an das Vermummungsverbot gehalten.
Unter den Protestlern waren nach Einschätzung der Polizei am Sonntag etwa 500 gewaltbereite junge Leute unterschiedlicher linker Gruppierungen. Gegen 21.30 Uhr beendete der Versammlungsleiter die Versammlung vorzeitig.
Zuvor und danach kam es laut Polizei zu Rangeleien mit den Demonstranten. Mehrere Autos wurden beschädigt, Müllcontainer in Brand gesetzt. Immer wieder warnten die Einsatzkräfte die Angreifer vor weiteren Attacken und setzten schließlich gegen 23.00 Uhr Wasserwerfer ein. Damit wollte die Polizei eine etwa 150-köpfige Gruppe daran hindern, ins Schanzenviertel zu gelangen.
Darüber hinaus sei es weitgehend friedlich geblieben, sagte Streiber weiter. Die Beamten waren mit mehr als 2.000 Einsatzkräften vor Ort. Kurz nach Mitternacht sei der Einsatz beendet worden. Die Polizei zieht nach eigenen Angaben ein positives Fazit für dieses Wochenende. Das Gesamtkonzept für beide Tage, insbesondere mit der Einrichtung eines Gefahrengebietes und starker polizeilicher Präsenz, habe die befürchteten Ausschreitungen verhindert.
Noch bis Montagmorgen 5.00 Uhr hat die Polizei ein sogenanntes Gefahrengebiet eingerichtet. In diesem Gebiet können die Beamten Platzverweise erteilen und ohne konkreten Verdacht Personen kontrollieren. Gegen rund 260 Personen ist nach Polizeiangaben an beiden Tagen ein Aufenthaltsverbot in dem betroffenen Bereich ausgesprochen worden.
In der Nacht zum Samstag waren die befürchteten schweren Ausschreitungen nach einer Demonstration für den Erhalt der "Roten Flora" mit rund 4.000 Teilnehmern ebenfalls ausgeblieben. Es kam vereinzelt zur Randale. Mit einem Großaufgebot von etwa 2.300 Einsatzkräften verhinderte die Polizei eine Eskalation.
Daneben fand am Sonntagvormittag in Hamburg die jährlichen Veranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum Tag der Arbeit statt. An dem Aufzug unter dem Motto "Wir gehen vor! Gute Arbeit, gerechte Löhne, starker Sozialstaat" nahmen nach Polizeiangaben 2.500 Menschen teil. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Klaus Wiesehügel, warnte auf einer Kundgebung vor einem Missbrauch der neuen EU-Freizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit durch Arbeitgeber.
Am Nachmittag folgte zudem der Euromayday-Aufzug mit dem Titel "Parade die Stadt ist unsere Fabrik". An dieser beteiligten sich rund 2.300 Menschen. Beide Veranstaltungen nahmen nach Polizeiangaben den erwarteten friedlichen Verlauf.
In der Vergangenheit war es rund um den 1. Mai wiederholt zu Ausschreitungen in Hamburg gekommen. 2010 wurden am Tag der Arbeit und in der Nacht davor 32 Polizisten verletzt und 78 Randalierer festgenommen.
dapd
