Tausende Demonstranten haben sich am Wochenende den Aufmärschen von Neonazis und NPD-Mitgliedern entgegengestellt. In Greifswald, Heilbronn, Halle und Bremen gelang es der Polizei, die verfeindeten Gruppen voneinander getrennt zu halten.
Tausende demonstrieren friedlich gegen Rechtsextremisten
Berlin (dapd). Tausende Demonstranten haben sich am Wochenende den Aufmärschen von Neonazis und NPD-Mitgliedern entgegengestellt. In Greifswald, Heilbronn, Halle und Bremen gelang es der Polizei, die verfeindeten Gruppen voneinander getrennt zu halten. Zu einem Handgemenge mit Einsatzkräften kam es am Sonntag in Heilbronn, als 150 Linksautonome eine Brücke zu stürmen versuchten, um zur Marschroute von Neonazis vorzudringen.
Mit einem friedlichen Demokratiefest protestierten in Greifswald mehr als 3.000 Menschen gegen einen NPD-Aufmarsch zum Tag der Arbeit. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der sich mit Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in den Zug eingereiht hatte, wertete das konsequente Auftreten der Greifswalder als "eindrucksvolles Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz". Mehr als 700 NPD-Gegner sorgten mit sieben friedlichen Sitzblockaden für eine fast zweistündige Verzögerung des NPD-Aufmarsches mit 200 Teilnehmern.
In Heilbronn stellten sich mehrere tausend Menschen gegen einen Neonazi-Aufmarsch. Zu größeren Auseinandersetzungen kam es zwischen der Polizei und linken Demonstranten. Rund 300 Linksautonome wurden in Gewahrsam genommen. Der Aufzug der Rechtsextremen, der nach Polizeiangaben mit etwa 740 Teilnehmern begann, richtete sich gegen die seit 1. Mai in Deutschland geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bürger aus acht weiteren EU-Ländern.
In Halle gingen rund 2.000 Menschen gegen einen Aufzug von Rechtsextremisten auf die Straße. In der ersten Reihe eines Demonstrationszuges liefen auch Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sowie Justizministerin Angela Kolb, Arbeitsminister Norbert Bischoff, Kultusminister Stephan Dorgerloh und Halles Stadtoberhaupt Dagmar Szabados (alle SPD).
4.000 Bremer protestieren gegen NPD-Aufmarsch
Bereits am Samstag hatten mehrere Tausend Bremer gegen einen NPD-Aufmarsch protestiert. Bis zu 4.000 Menschen hätten sich in der Innenstadt versammelt, sagte die Polizei auf dapd-Anfrage. Unter ihnen waren etwa 200 Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks. Die Strategie der Polizei sei aufgegangen, hieß es in einer Bilanz. Denn ein Zusammentreffen zwischen den Rechtsextremen und den Gegendemonstranten sei verhindert worden, sagte ein Polizeisprecher.
Das Bündnis "Keinen Meter" sprach von bis zu 6.000 Protestlern gegen den NPD-Aufmarsch. Ein Antifaschist sei durch Pfefferspray bewusstlos geworden. Sanitäter sollen von mehr als 300 Personen berichtet haben, die wegen Pfefferspray-Verletzungen, Prellungen und Schockzuständen behandelt werden mussten. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot von 3.000 Einsatzkräften im Einsatz war, konnte dies nicht bestätigen. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bezeichnete das Vorgehen der Polizei auf dapd-Anfrage als verhältnismäßig.
Mit einem Musikfestival setzte Leipzig ein friedliches Zeichen gegen Rechtsextremismus. Rund 5.000 Menschen kamen am Samstagabend auf das Alte Messegelände zur 14. Open-Air-Veranstaltung unter dem Motto "Courage zeigen". Zahlreiche Musikgruppen und Künstler, darunter auch Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, riefen zur Zivilcourage gegen Rechtsextremismus auf.
dapd
