Grünen-Chefin: "Wir brauchen Einwanderer" Roth: Deutschland muss bei Zuwanderung mehr auf Nordafrika setzen

Deutschland muss nach Ansicht von Grünen-Chefin Claudia Roth bei der Zuwanderungspolitik mehr auf Nordafrika setzen. In Tunesien und Ägypten etwa gebe es unglaublich viele junge und gut ausgebildete Menschen, sagte Roth der Nachrichtenagentur dapd zum Abschluss einer Reise nach Tunesien und Italien.

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Roth: Deutschland muss bei Zuwanderung mehr auf Nordafrika setzen

Berlin (dapd). Deutschland muss nach Ansicht von Grünen-Chefin Claudia Roth bei der Zuwanderungspolitik mehr auf Nordafrika setzen. In Tunesien und Ägypten etwa gebe es unglaublich viele junge und gut ausgebildete Menschen, sagte Roth der Nachrichtenagentur dapd zum Abschluss einer Reise nach Tunesien und Italien. Diesen jungen Leuten Angebote zur Einwanderung zu machen, ihnen befristete Arbeit in Deutschland zu ermöglichen und Hochschulkooperationen mit diesen Ländern zu starten, wäre für beide Seiten ein Gewinn, sagte sie.

"Wir brauchen Einwanderer", betonte Roth. Deutschland sei längst kein Einwanderungsland mehr. Es gingen mehr Menschen aus dem Land weg, als neue hinzukämen. Die Bundesregierung habe aber nichts gegen diese Entwicklung unternommen, sondern die Aufnahmekriterien noch verschärft und "Abschottungssignale ausgesendet". Diese falsche Haltung zeige sich auch in der Flüchtlingsfrage.

"Es ist kein altruistischer Akt, Flüchtlinge aufzunehmen und eine aktive Einwanderungspolitik zu betreiben", sagte die Grünen-Vorsitzende. Es gehe dabei auch um deutsche Interessen. Die nordafrikanischen Länder hätten großes Potenzial. Deutschland müsse sich angesichts des Zuwanderungsbedarfs auch neuen Regionen zuwenden.

Roth sagte, die Bevölkerung sei beim Thema Flüchtlinge und Zuwanderung "sehr viel aufgeklärter und realitätstüchtiger" als die Bundesregierung oder einzelne Parteien, "die meinen, sie könnten mit Hardliner-Sprüchen punkten".

Die Grünen-Politikerin hatte in den vergangenen Tagen in Tunesien und Italien mehrere Flüchtlingscamps besucht und sich über die Lage in Nordafrika informiert. Der frühere tunesische Staatschef Zine El Abidine Ben Ali wurde Mitte Januar gestürzt. Es folgten Revolten in anderen Ländern im arabischen Raum, unter anderem in Ägypten und Libyen. Die Unruhen lösten große Flüchtlingsströme aus.

dapd