Die Bundesregierung hält sich bei der Benennung eines Nachfolgers für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, weiter bedeckt. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.
Regierung hat über Trichet-Nachfolge noch nicht entschieden
Berlin (dapd). Die Bundesregierung hält sich bei der Benennung eines Nachfolgers für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, weiter bedeckt. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Er wies damit Medienberichte zurück, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wolle keinen eigenen Kandidaten benennen und werde stattdessen den italienischen Notenbankchef Mario Draghi unterstützen. Draghi wird unter anderem von Frankreich favorisiert.
Trichet scheidet Ende Oktober nach acht Amtsjahren als EZB-Präsident aus. Im Juni soll im Europäischen Rat ein Nachfolger bestimmt werden. Deutschland hat noch keinen Kandidaten benannt.
Die "Bild"-Zeitung schrieb, nach der Absage von Bundesbankpräsident Axel Weber und der Festlegung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf Draghi solle nunmehr der "deutscheste aller verbliebenen Kandidaten" unterstützt werden. Das sei eindeutig Draghi, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise.
Laut "Wall Street Journal" ist Merkel zu dem Schluss gekommen, dass es keine praktikable Alternative zu dem italienischen Notenbankgouverneur gebe. Weil die Bundeskanzlerin jedoch negative Reaktionen über einen möglichen EZB-Präsidenten aus Italien in den deutschen Medien und im Parlament befürchte, habe Merkel ihre Position noch nicht öffentlich gemacht. Eine öffentliche Stellungnahme könnte jedoch bald erfolgen.
Am Dienstag hatte sich Sarkozy für eine Kandidatur Draghis als EZB-Präsident ausgesprochen, auch Spanien und Portugal haben inzwischen Zustimmung signalisiert.
Seibert hatte am Mittwoch gesagt, das Thema werde "in Übereinstimmung zwischen Deutschland und Frankreich entschieden". Die Bundesregierung werde sich "rechtzeitig zu einem möglichen Kandidaten äußern". Mit Frankreich und Italien hätten sich "zwei in der Tat wichtige europäische Staaten" hinter Draghi gestellt. Nichtsdestotrotz werde es keine Besetzung des Postens "ohne deutsche Zustimmung geben". Deutschland habe dabei "ein gewichtiges Wort mitzureden".
dapd
