Nach Ansicht des Kirchenkritikers Hans Küng taugt der frühere Papst Johannes Paul II. nicht zum Vorbild für katholische Gläubige. Johannes Paul II., der am Sonntag seliggesprochen werden soll, habe er ein autoritäres Lehramt ausgeübt und die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt, sagte Küng der "Frankfurter Rundschau" laut Vorabbericht.
Theologe Küng kritisiert Seligsprechung von Johannes Paul II.
Frankfurt/Main (dapd). Nach Ansicht des Kirchenkritikers Hans Küng taugt der frühere Papst Johannes Paul II. nicht zum Vorbild für katholische Gläubige. Johannes Paul II., der am Sonntag seliggesprochen werden soll, habe er ein autoritäres Lehramt ausgeübt und die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt, sagte Küng der "Frankfurter Rundschau" laut Vorabbericht. Diese "dunklen Seiten" seien bei dem Seligsprechungsprozess ganz und gar unberücksichtigt geblieben.
Küng war 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen worden. Er kritisierte, Johannes Paul II. sei intolerant und unwillig zum Dialog gewesen. "Auch seine Behandlung der lateinamerikanischen Befreiungstheologen war das Gegenteil dessen, was man von einem christlichen Vorbild erwarten sollte", sagte Küng.
Bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche habe der frühere Papst komplett versagt. "Das ganze Ausmaß dieser scheußlichen Verbrechen wurde von ihm gemeinsam mit Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation systematisch vertuscht", sagte Küng.
Er kritisierte zudem das Tempo der Seligsprechung. Benedikt XVI. habe wie ein absolutistischer Fürst das Kirchenrecht gebrochen, um Johannes Paul im Hauruckverfahren seligsprechen zu können.
Normalerweise darf ein Seligsprechungsprozess erst fünf Jahre nach dem Tod des Betreffenden beginnen. Der Papst kann jedoch in Einzelfällen eine Ausnahmegenehmigung erteilen.
dapd
