Ver.di-Chef Frank Bsirske sieht auf die Bürger hohe Zuzahlungen im Gesundheitssystem zukommen. "Die Menschen werden bald erleben, dass sie in Arztpraxen und Apotheken zusätzlich zur Kasse gebeten werden", sagte Bsirske am Osterwochenende. Derzeit mache sich vor allem die FDP daran, die Gesundheitspolitik als eine der tragenden Säulen des Sozialstaats zu beschädigen.
Gewerkschaft befürchtet höhere Zuzahlungen in Praxen und Apotheken
Berlin (dapd). Ver.di-Chef Frank Bsirske sieht auf die Bürger hohe Zuzahlungen im Gesundheitssystem zukommen. "Die Menschen werden bald erleben, dass sie in Arztpraxen und Apotheken zusätzlich zur Kasse gebeten werden", sagte Bsirske am Osterwochenende. Derzeit mache sich vor allem die FDP daran, die Gesundheitspolitik als eine der tragenden Säulen des Sozialstaats zu beschädigen.
Die Gesundheitsreform von Minister Philipp Rösler (FDP) erleichtere es Ärzten, Kassenpatienten gegen Barzahlung zu behandeln und ihnen teurere Medikamente zu verschreiben, sagte Bsirske in einem dapd-Interview. Der Begriff Vorkasse sei dabei nur eine Täuschung. Denn die Krankenkassen erstatteten nur den vorgeschriebenen Betrag, den Rest müsse der Patient dann aus eigener Tasche zahlen.
"Ich bin sicher, die Bürgerinnen und Bürger werden sich nicht dauerhaft von dieser Politik hinters Licht führen lassen", sagte Bsirske und fügte hinzu: "Die Glaubwürdigkeit von Schwarz-Gelb steht auf dem Prüfstand."
Deutschlands Ärzte sollen nach dem Willen der gesetzlichen Krankenkassen jahrzehntealte Privilegien verlieren, damit die medizinische Versorgung auf dem Land verbessert werden kann. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordere, dass künftig Mediziner ihre Zulassung als Kassenarzt nicht mehr verkaufen oder vererben dürfen, berichtet die "Berliner Zeitung". Stattdessen soll die Zulassung bei Aufgabe der Praxis verfallen. Auf diese Weise wollen die Kassen die Zahl der Ärzte in den Städten schrittweise abbauen.
Gleichzeitig sollen den Medizinern, die sich in Gebieten mit einer hohen Arztdichte ansiedeln wollen, die Honorare gekürzt werden. Ziel beider Maßnahmen ist, dass sich die Ärzte auch in weniger gut versorgten Regionen niederlassen, also beispielsweise in sozialen Brennpunkten oder auf dem Land.
"Alle Anstrengungen der schwarz-gelben Koalition, mehr Landärzte zu gewinnen, verpuffen völlig wirkungslos, wenn das Problem der Überversorgung nicht angegangen wird", sagte der Vize-Chef des Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, der Zeitung.
"Wer heute bereits eine Zulassung hat, soll von der Neuregelung nicht betroffen sein", sagte Florian Lanz, Sprecher des Krankenkassen-Spitzenverbands. "Wir wollen niemanden enteignen."
dapd
