Zu Beginn der "Jasmin-Revolution" in Nordafrika war der Freundeskreis des in Berlin lebenden Libyers Same Ghati sehr optimistisch. "Nach den Tunesiern und Ägyptern begannen auch die Menschen in Libyen, gegen das Regime zu demonstrieren", erinnerte sich der 46-Jährige an die ersten Tage der Proteste gegen Machthaber Muammar al Gaddafi.
Freundeskreis der Gaddafi-Gegner
Berlin (dapd-bln). Zu Beginn der "Jasmin-Revolution" in Nordafrika war der Freundeskreis des in Berlin lebenden Libyers Same Ghati sehr optimistisch. "Nach den Tunesiern und Ägyptern begannen auch die Menschen in Libyen, gegen das Regime zu demonstrieren", erinnerte sich der 46-Jährige an die ersten Tage der Proteste gegen Machthaber Muammar al Gaddafi. Von Tripolis und Bengasi weitete sich die Bewegung rasch auf die anderen Landesteile aus: "Alle Libyer waren gegen Gaddafi", meinte Ghati.
Auch für die Berliner Libyer begann zu jener Zeit der Umstürze im Februar das politische Erwachen. "Wir haben tagtäglich mit unserer Familie telefoniert. Tag und Nacht lief der Nachrichtensender Al Dschasira", sagte Ghati. Obwohl es bei den Protesten in Libyen Tote und Verletzte gab, blieben er und seine Freunde zuversichtlich. "Nach fünf Tagen gab es Spekulationen darüber, dass Gaddafi nach Venezuela geflüchtet sei. Wir dachten: Libyen ist befreit." Einige Bekannte des Elektrotechnikers packten schon die Koffer, "um auch in Libyen feiern zu können".
Doch die Freude war verfrüht. Nach sechs Tagen kündigte Gaddafi-Sohn Seif al-Islam in einer vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Rede an: "Muammar Gaddafi, unser Führer, führt den Kampf in Tripolis, und wir sind an seiner Seite. Wir werden bis zum letzten Mann, bis zur letzten Frau, bis zur letzten Kugel kämpfen." Ghati betonte, die Familie Gaddafi denke, sie beherrsche ganz Afrika. Der selbsternannte Revolutionsführer habe sich in Tripolis aufgeführt "wie Rambo" und sehr viele Menschen umgebracht.
Um sich auch in Deutschland am Widerstand gegen Gaddafi zu beteiligen, demonstrierten die hiesigen Libyer - die sich sonst aus Angst vor Gaddafis Schergen politisch nicht zusammentaten - vor der Botschaft des Landes. "Wir haben gehofft, dass der Botschafter rauskommt, dass er auf unserer Seite ist", sagte Ghati. Diese Hoffnung blieb unerfüllt - im Gegenteil: Im April wies Deutschland fünf libysche Diplomaten mit der Begründung aus, dass die Betreffenden Druck auf libysche Staatsangehörige ausgeübt hätten.
Als das Medieninteresse stieg, organisierte Ghati Journalisten Kontakte zu Libyern in Deutschland, sorgte regelmäßig für aktuelle Informationen über die Internetseite der Libyschen Gemeinde in Deutschland. Später knüpfte er Kontakte zur Opposition in Bengasi, dem libyschen Nationalrat, organisierte zusammen mit Freunden und Bekannten Medikamente, die den dortigen Krankenhäusern fehlten. Vor allem Salben, Antibiotika und Verbandsmaterial gegen Verbrennungen wurden benötigt.
Der 46-Jährige äußerte sich hoffnungsvoll, dass die internationale Gemeinschaft hart bleibe, keine Teilung Libyens zulässt und mit dem Druck auf den Machthaber nicht nachlässt, bis Gaddafi abgetreten ist. "Er muss nicht sein Leben lang regieren. 42 Jahre sind genug", sagte er.
Vom libyschen Nationalrat erwartete er, die Übergangsregierung zu stellen, Wahlen zu organisieren. "Das ist keine Opposition in dem Sinne", betonte er. "Das ist das libysche Volk."
dapd
