Landesverband der Industrie: Kein Spielraum für "großen Schluck aus der Pulle" DGB dringt auf deutliche Lohnerhöhungen

Die Debatte über den Spielraum für deutliche Lohnerhöhungen gewinnt an Fahrt. Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf forderte am Montag, auch die Arbeitnehmer müssten vom Wirtschaftsaufschwung profitieren. Der Landesverband der baden-württembergischen Industrie (LVI) mahnte dagegen zu Zurückhaltung.

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DGB dringt auf deutliche Lohnerhöhungen

Stuttgart (dapd-bwb). Die Debatte über den Spielraum für deutliche Lohnerhöhungen gewinnt an Fahrt. Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf forderte am Montag, auch die Arbeitnehmer müssten vom Wirtschaftsaufschwung profitieren. Der Landesverband der baden-württembergischen Industrie (LVI) mahnte dagegen zu Zurückhaltung.

Landgraf sagte der Nachrichtenagentur dapd, in den vergangenen Jahren sei die Lohnpolitik der Gewerkschaften moderat gewesen, um in der Krise Arbeitsplätze zu sichern. Jetzt sei es aber "an der Zeit, dass die Beschäftigten endlich mal wieder zum Zuge kommen". Der DGB-Landeschef kritisierte: "Unternehmen sehen aus ihrer einzelwirtschaftlichen Logik heraus den Lohn als Kostenfaktor und verdrängen, dass er die Kaufkraft entscheidet."

Es sei falsch zu versuchen, "Beschäftigungssicherung einerseits und Lohnerhöhungen andererseits gegeneinander zu stellen". Landgraf mahnte: "Aus der Krise zu lernen bedeutet auch, einen besseren Ausgleich zwischen erfolgreicher Exportwirtschaft und dynamischer Entwicklung des Binnenmarktes zu erreichen. Das wiederum macht es zur Bedingung, für dauerhafte und spürbare Reallohnsteigerungen zu sorgen."

LVI-Präsident Hans-Eberhard Koch sagte jedoch, es bestehe derzeit kein Spielraum für deutliche Lohnsteigerungen. Es seien bereits in vielen Unternehmen wegen der günstigen Entwicklung der Wirtschaft Sonderleistungen gezahlt oder Tarifvereinbarungen vorgezogen worden. Jetzt dürfe nicht erneut "ein großer Schluck aus der Pulle genommen werden".

Koch betonte in einem dapd-Interview zugleich, er rechne trotz der Atomkatastrophe in Japan mit einer positiven Entwicklung der Konjunktur. Zwar seien die Folgen des Unglücks schwer abzuschätzen. Er erwarte aber in Baden-Württemberg weiter ein Wirtschaftswachstum von deutlich über drei Prozent in diesem Jahr.

Koch fügte hinzu: "Ich wundere mich im Moment darüber, wie robust und deutlich der Aufschwung weitergeht." Davon profitiere auch der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg. Hier gebe es "eine Belebung in allen Branchen" und verstärkt Einstellungen von Arbeitnehmern.

Landgraf verwies darauf, dass der DGB bei den traditionellen Kundgebungen zum 1. Mai neben "fairen Löhnen" auch soziale Sicherheit verlangen werde. Er fügte hinzu: "Wir leben in unruhigen Zeiten: Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in Japan, Aufstände gegen Unterdrücker-Regime in arabischen Staaten." Hinzu kämen die anhaltende Spekulation auf den Rohstoff- und Kreditmärkten sowie "Angriffe auf soziale Errungenschaften und gewerkschaftliche Rechte im Windschatten der Eurokrise". Dadurch würden "die Existenzgrundlagen der Arbeitnehmerschaft und der sozial Schwachen bedroht".

dapd