Der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, warnt die Bundesregierung vor einem überstürzten Atomausstieg. Viele Fragen seien noch völlig ungeklärt, sagte Zimmermann der Nachrichtenagentur dapd. So dürfe der Klimaschutz nicht auf der Strecke bleiben.
IZA-Direktor Zimmermann warnt vor überstürztem Atomausstieg
Bonn (dapd). Der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, warnt die Bundesregierung vor einem überstürzten Atomausstieg. Viele Fragen seien noch völlig ungeklärt, sagte Zimmermann der Nachrichtenagentur dapd. So dürfe der Klimaschutz nicht auf der Strecke bleiben. Zudem müsse darauf geachtet werden, dass die Energiepreise "nicht durch einen weiteren rasanten Anstieg den wirtschaftlichen Aufschwung und damit Arbeitsplätze gefährden".
Zimmermann forderte ein langfristig angelegtes Energiekonzept, das sowohl Sicherheit und Versorgungszuverlässigkeit als auch Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz zum Ziel hat. Alle Entscheidungen müssten dabei gemeinsam mit der Energiewirtschaft getroffen werden.
Der IZA-Direktor verwies zugleich darauf, dass die deutsche Wirtschaft schon vor dem "Japan-Schock" den Bereich der erneuerbaren Energien als den Markt mit den größten Wachstumschancen bis 2020 definiert habe. Dies gelte bei einem beschleunigten Atomausstieg erst recht. Zimmermann fügte hinzu: "Denken Sie nur an die notwendigen enormen Investitionen in moderne Hochspannungsnetze, intelligente Stromzähler und Speicher."
Es sei "realistisch, dass bis zum Jahre 2020 deutlich mehr als zwei Millionen Menschen in dem weiten Bereich von 'Green Tech'-Industrien und Umweltberufen beschäftigt sind - je nach Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen". Zimmermann warnte allerdings, der Fachkräftemangel könnte "gerade bei diesen hoch qualifizierten Arbeitsmärkten der Zukunft als Bremse wirken". Deshalb müsse man "die Ausbildung von Fachkräften in diesen Berufen forcieren".
Zimmermann fügte hinzu, die deutsche Exportwirtschaft habe eine große Chance, wenn aus "Made in Germany" mehr und mehr "Green from Germany" werde. In vielen Bereichen wie den erneuerbaren Energien habe die deutsche Wirtschaft schon heute eine Vorreiterposition. Allerdings hole die internationale Konkurrenz mehr und mehr auf.
dapd
