Die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur Dena warnt vor einer massiven Versorgungslücke für die heimische Industrie beim geplanten Atomausstieg. Dena-Chef Stephan Kohler forderte einen deutlichen Ausbau moderner Gas- und Kohlekraftwerke, die mindestens die Hälfte der Leistungsstärke der jetzigen Atomkraftwerke erzeugen können müssten.
Energieagentur Dena warnt vor Versorgungslücke bei Atomausstieg
Augsburg (dapd). Die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur Dena warnt vor einer massiven Versorgungslücke für die heimische Industrie beim geplanten Atomausstieg. Dena-Chef Stephan Kohler forderte einen deutlichen Ausbau moderner Gas- und Kohlekraftwerke, die mindestens die Hälfte der Leistungsstärke der jetzigen Atomkraftwerke erzeugen können müssten. "Ohne den Neubau von modernen hocheffizienten fossilen Kraftwerken wird es eine Stromlücke geben", sagte Kohler der Zeitung "Augsburger Allgemeine" (Samstagausgabe).
Die Industrie benötige international konkurrenzfähige Preise und Versorgungssicherheit. "Dies können wir aus der sehr stark schwankenden Wind- und Sonnenenergie auch in absehbarer Zeit nicht sicherstellen", sagte der Dena-Chef, dessen Agentur die Bundesregierung seit über zehn Jahren maßgeblich beim gesellschaftlichen Umstieg auf erneuerbare Energien berät. "Wenn wir die Atomkraftwerke bis 2020 abschalten wollen, brauchen wir den Neubau von hocheffizienten Gas- und Kohlekraftwerken in der Größenordnung von zehn- bis zwölftausend Megawatt", betonte Kohler.
Kohler warnte zugleich vor einer übertriebenen Debatte um den Ausbau der Stromtrassen. Die Dena hatte den derzeit diskutierten Bedarf von 3.600 Kilometern neuer Höchstspannungsleitungen vergangenes Jahr in ihren Prognosestudien errechnet. "Arbeitet man mit Hochtemperaturleitern, kommt man mit 1.600 Kilometern hin", sagte Kohler. "Wir haben derzeit in Deutschland 30.000 Kilometer an Höchstspannungsleitungen, .es geht also um einen Ausbau zwischen sechs und zwölf Prozent", fügte er hinzu.
Zudem befürwortete die Dena beim Ausbau auch den streckenweisen Einsatz von Erdkabeln. Das Kostenargument sei beim Netzausbau nicht von zentraler Bedeutung, betonte Kohler. Ein Ausbau mit Freileitungen belaste die Verbraucher mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde Mehrkosten, Erdkabel mit 0,5 Cent. "An 0,3 Cent Mehrkosten wird die Energiewende nicht scheitern", sagte Kohler.
dapd
