Obwohl bisher nur wenige junge Männer Interesse am freiwilligen Wehrdienst zeigen, sieht das Verteidigungsministerium keinen Grund zur Sorge. "Wir müssen nicht in Panik verfallen", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag in Berlin auf Anfrage.
Geringes Interesse am freiwilligen Wehrdienst
Berlin (dapd). Obwohl bisher nur wenige junge Männer Interesse am freiwilligen Wehrdienst zeigen, sieht das Verteidigungsministerium keinen Grund zur Sorge. "Wir müssen nicht in Panik verfallen", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag in Berlin auf Anfrage. Bisher traten lediglich 2.749 Männer den neuen Dienst an. Ein internes Eckpunktepapier des Verteidigungsministeriums warnt zudem laut "Bild"-Zeitung vor großen Personalproblemen bei der Bundeswehr insgesamt.
Nach einer ersten Anschreibeaktion der Kreiswehrersatzämter an 167.000 junge Männer im Januar und Februar gab es laut dem Sprecher etwa 8.300 Interessenten für den freiwilligen Dienst. Das entspricht einem Rücklauf von etwa fünf Prozent. Eine zweite Aktion, bei der im März und April 498.000 Männer kontaktiert worden seien, habe weitere 1.800 Rückmeldungen gebracht - das ist weniger als ein halbes Prozent. Künftig sollen bis zu 15.000 Freiwillige während eines Wehrdienstes zwischen sechs und 23 Monaten rund 170.000 Zeit- und Berufssoldaten unterstützen.
Der Ministeriumssprecher sagte, für eine endgültige Beurteilung des Interesses am freiwilligen Wehrdienst müsse die Änderung des Wehrrechts abgewartet werden, die zum 1. Juli in Kraft treten soll. Dann könnten die Kreiswehrersatzämter auch bei jungen Frauen für den freiwilligen Wehrdienst werben.
Die Grünen kritisierten die Planungen. "Es fehlt jegliches Konzept, wie der Freiwilligendienst attraktiv gestaltet werden soll. Darum hat sich schlichtweg niemand gekümmert", sagte der Verteidigungsexperte der Grünen, Omid Nouripour, der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Jenseits der Entscheidung, die Wehrpflicht auszusetzen, habe es keinerlei Vorbereitung gegeben, sagte Nouripour.
In dem internen Ministeriumspapier wird laut "Bild" mit Blick auf die Bundeswehrreform und damit verbundene Sparmaßnahmen vor dem Verlust der Bündnisfähigkeit und Gefahren für die nationale Sicherheit gewarnt. Der Finanzplan zwinge bereits im kommenden Jahr zu Einschnitten, die die Personalstrukturen stören und die Beteiligung an laufenden Einsätzen beeinträchtigen würden.
"Die ins Auge gefassten Einschnitte werden die Fähigkeiten Deutschlands, mit militärischen Mitteln zur nationalen und internationalen Sicherheitsvorsorge beizutragen, erheblich einschränken", zitiert die Zeitung aus dem Papier. Dies könne auf mittlere Sicht auch nicht wieder rückgängig gemacht werden.
Ministeriumssprecher Stefan Paris sagte der Nachrichtenagentur dapd dazu auf Anfrage, es gebe keinen Anlass zu einer Stellungnahme. Er verwies darauf, dass es zur Bundeswehrreform noch "keinerlei Entscheidung" gebe. Diese werde "intensiv" vorbereitet und Ende Mai oder Anfang Juni getroffen.
dapd
