In der baden-württembergischen CDU zeichnet sich Streit um die Nachfolge von Parteichef Stefan Mappus ab. CDU-Generalsekretär Thomas Strobl erklärte am Donnerstag in Sindelfingen, trotz heftiger Kritik der Basis nach der Wahlniederlage für den Parteivorsitz zu kandidieren.
Strobl soll Mappus als CDU-Landeschef ablösen
Sindelfingen (dapd-bwb). In der baden-württembergischen CDU zeichnet sich Streit um die Nachfolge von Parteichef Stefan Mappus ab. CDU-Generalsekretär Thomas Strobl erklärte am Donnerstag in Sindelfingen, trotz heftiger Kritik der Basis nach der Wahlniederlage für den Parteivorsitz zu kandidieren. Fraktionschef Peter Hauk verzichtete auf eine Kandidatur und erklärte, eine Doppelspitze mit Strobl als Parteivorsitzenden zu unterstützen. Mappus stellte sich hinter seinen Generalsekretär und sagte: "Die Wahl hat nicht Thomas Strobl verloren - wir haben sie gemeinsam verloren."
Strobl und die gesamte CDU-Führung war auf einer Basiskonferenz in Sindelfingen am Mittwochabend in einer rund fünfstündigen Debatte mit rund 1.000 Teilnehmern scharf kritisiert worden. Hinter verschlossenen Türen wurde auch Strobls Rücktritt als Generalsekretär gefordert. Deshalb gilt als unsicher, ob Strobl von der Basis ausreichend Unterstützung erhalten wird.
Schließlich verschob der Landesvorstand den für den 7. Mai geplanten Landesparteitag, nachdem sich die Mehrheit der Delegierten dafür ausgesprochen hatten. Mappus kündigte an, der Kandidat für den CDU-Vorsitz solle auf vier Regionalkonferenzen die Möglichkeit haben sich vorzustellen. Nach seiner Erfahrung als Landesvorsitzender gehe er nicht davon aus, dass es neben Strobl weitere Kandidaten geben werde.
Strobl sagte, er sehe keine Veranlassung, als Generalsekretär zurückzutreten. "Bei einer Partei von 70.000 Mitgliedern hat man auch nicht nur 70.000, die einen gut finden", meinte er. Er könne mit offener Kritik wie auf dieser Konferenz gut leben.
Die Partei müsse von der Personalfrage nun rasch wegkommen und sich der inhaltlichen Neuaufstellung zuwenden, forderte der 51-Jährige. Für die Regionalkonferenzen werde nun ein Zehn-Punkte-Programm über Rolle der CDU in der Opposition vorbereitet.
Fraktionschef Hauk, der auf der Konferenz Teilnehmern zufolge von mehreren zur Kandidatur aufgefordert worden war, erklärte, es sei eine gute Ergänzung, wenn es neben dem in der Landespolitik agierenden Fraktionschef einen erfahrenen Bundespolitiker wie Strobl gebe, der baden-württembergischer Landesgruppenchef im Bundestag sei. Strobl könne über den Bund dafür sorgen, dass in Baden-Württemberg auch CDU-Politik gemacht werde, etwa bei Infrastrukturprojekten wie "Stuttgart 21".
Mappus erklärte derweil, er habe sein Landtagsmandat zwar angenommen, er gehe aber nicht davon aus, dass er lange als Abgeordneter "in den hinteren Rängen" sitzen werde. Er suche nach einer Aufgabe außerhalb der Landespolitik. "Ich will keine herausgehobene Rolle in der CDU Baden-Württemberg", erklärte der scheidende Ministerpräsident.
dapd
