Fünf DAX-Konzerne verzichten laut Magazin-Bericht auf konkrete Ziele Keine Vorgabe für höheren Frauenanteil

Bei der Besetzung ihrer Aufsichtsratsposten wollen sich mehrere DAX-Unternehmen nicht reinreden lassen. Fünf der 30 Dax-Konzerne lehnen die Empfehlung ab, Frauen in ihren Aufsichtsräten angemessen zu berücksichtigen, wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" am Dienstag vorab berichtete.

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Keine Vorgabe für höheren Frauenanteil

München (dapd). Bei der Besetzung ihrer Aufsichtsratsposten wollen sich mehrere DAX-Unternehmen nicht reinreden lassen. Fünf der 30 Dax-Konzerne lehnen die Empfehlung ab, Frauen in ihren Aufsichtsräten angemessen zu berücksichtigen, wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" am Dienstag vorab berichtete. Der im Mai 2010 verabschiedete Deutsche Corporate Governance Kodex fordert Dax-Unternehmen dazu auf, für die Zusammensetzung ihrer Aufsichtsräte konkrete Ziele der Vielseitigkeit zu benennen und dabei Frauen besonders zu berücksichtigen.

Laut "Capital" nennen jedoch Fresenius, Fresenius Medical Care, Heidelberg Cement, Lufthansa und RWE in ihren Geschäftsberichten keine solchen konkreten Ziele. Andere Unternehmen machten laut "Capital" präzisere Angaben über ihre Ziele. Sechs Unternehmen, darunter die Deutsche Post, E.ON, Metro und Munich Re, strebten in den kommenden Jahren einen Frauenanteil von 30 Prozent in ihren Kontrollgremien an.

Auch bei Siemens will man der Personalchefin Brigitte Ederer zufolge zukünftig mehr Frauen in Führungspositionen bringen. "Aber wir sind gegen eine gesetzliche Quote", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe). "Eine heute 30-jährige Frau hat nichts davon, wenn es eine Quote im Aufsichtsrat gibt. Der hilft man, indem man Förderprogramme im Unternehmen anbietet, um ihr die nächsten Schritte zu ermöglichen", fügte die gebürtige Österreicherin hinzu.

Dabei trauen die Bundesbürger Frauen das fachliche und persönliche Wissen, das sie für eine Führungsposition benötigen, allemal zu. Das ergab eine Online-Umfrage der Münchner Personalberatung Rochus Mummert. Auch bei Teilzeit-Chefinnen seien die Bundesbürger offen: Gut drei Viertel der Deutschen könnten sich vorstellen, unter einer Vorgesetzten mit Teilzeitvertrag zu arbeiten. In diesem Sinne sei die Angst mancher Unternehmen, dass Teilzeit-Chefinnen nicht ausreichend Autorität entgegengebracht werde, unbegründet.

Für zwei von drei Deutschen mache es der Umfrage zufolge keinen Unterschied, ob sie von einer Frau oder einem Mann geführt würden. Diese Zahlen spiegeln sich jedoch in der Realität noch lange nicht wider. Nach einer aktuellen Analyse der Personalberatung sei derzeit nicht einmal jede vierte Führungsposition im mittleren Management mit einer Frau besetzt.

dapd