Das Atommoratorium führt zu einem drastischen Gewinneinbruch bei Deutschlands drittgrößtem Stromversorger EnBW. Finanzvorstand Thomas Kusterer sagte am Dienstag auf der Hauptversammlung des Energiekonzerns in Karlsruhe, das operative Ergebnis des Unternehmens werde in diesem Jahr um bis zu 25 Prozent niedriger ausfallen als 2010.
Atommoratorium sorgt für Gewinneinbruch bei EnBW
Karlsruhe (dapd-bwb). Das Atommoratorium führt zu einem drastischen Gewinneinbruch bei Deutschlands drittgrößtem Stromversorger EnBW. Finanzvorstand Thomas Kusterer sagte am Dienstag auf der Hauptversammlung des Energiekonzerns in Karlsruhe, das operative Ergebnis des Unternehmens werde in diesem Jahr um bis zu 25 Prozent niedriger ausfallen als 2010. Bislang war der Konzern nur von einem Minus von maximal 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,9 Milliarden Euro ausgegangen.
Der Ergebniseinbruch könnte sogar noch höher ausfallen. Denn bei der Prognose geht EnBW davon aus, das Atomkraftwerk Philippsburg 1 nach Ablauf des Moratoriums wieder anfahren zu können. Dies wird jedoch von Kernkraftkritikern wegen des Alters des Reaktors entschieden abgelehnt.
Konzernchef Hans-Peter Villis kündigte wegen des Gewinneinbruchs ein verschärftes Sparprogramm an. Bis 2013 sollen die Kosten um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag reduziert werden. Bisher wollte EnBW die jährlichen Ausgaben in den nächsten drei Jahren um 300 Millionen Euro senken.
Der Manager warnte auf der Hauptversammlung die Politik ausdrücklich vor weiteren Belastungen der Energiewirtschaft. "Jeder außerplanmäßige Stillstand unserer Kraftwerke und jede weitere energiepolitische Belastung schränkt unsere Investitionsspielräume empfindlich ein", mahnte der Manager.
EnBW will in den kommenden zehn Jahren seine Leistung im Bereich der erneuerbaren Energien nahezu verdoppeln und dazu rund acht Milliarden Euro investieren. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Investitionsfähigkeit des Unternehmens nicht durch die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingeschränkt werde, sagte Villis.
EnBW war bis zum Atommoratorium mit einem Kernkraftanteil von 51 Prozent das am stärksten von der Atomenergie abhängige Unternehmen unter den vier deutschen Reaktorbetreibern. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion lag dagegen im vergangenen Jahr nur bei 10,5 Prozent. Doch will der Konzern seine vorhandenen Kapazitäten bis 2020 von derzeit rund 3.100 Megawatt auf mehr als 6.000 Megawatt erhöhen.
Villis sagte, der von der Politik offenkundig gewollte beschleunigte Umbau des deutschen Energieversorgungssystems stelle EnBW vor sehr große Herausforderungen. "Wir stehen zu unseren Kernkraftwerken, und wir sind überzeugt, dass unsere Anlagen sicher sind", betonte der Manager. Doch nehme EnBW auch zur Kenntnis, dass die Mehrheit der Deutschen nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima die Kernkraft ablehne.
Der Manager warnte jedoch davor, schnelle Lösungen für den Umbau des deutschen Energiesystems zu erwarten. "Dazu ist es zu komplex", sagte er.
dapd
