Lötzsch fordert konstruktive Mitarbeit - Wagenknecht verlangt Rücktritt des Schatzmeisters Scharfe Töne zwischen Unterstützern und Kritikern der Linke-Spitze

In der andauernden Personaldebatte verschärfen sowohl Unterstützer als auch Gegner der beiden Linke-Vorsitzenden ihren Ton. Parteichefin Gesine Lötzsch forderte die Mitglieder der Führungsspitze auf, an Lösungen für aktuelle Fragen zu arbeiten. Die Vizevorsitzende Sahra Wagenknecht verlangte ein Ende der "Demontage" der Parteiführung.

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Scharfe Töne zwischen Unterstützern und Kritikern der Linke-Spitze

Berlin (dapd). In der andauernden Personaldebatte verschärfen sowohl Unterstützer als auch Gegner der beiden Linke-Vorsitzenden ihren Ton. Parteichefin Gesine Lötzsch forderte die Mitglieder der Führungsspitze auf, an Lösungen für aktuelle Fragen zu arbeiten. Die Vizevorsitzende Sahra Wagenknecht verlangte ein Ende der "Demontage" der Parteiführung.

Vor dem Hintergrund immer neuer Kritik von ranghohen Vertretern an Kurs und Führung der Partei sagte Lötzsch am Montag in Berlin: "Ich erwarte von allen Mitgliedern, die in Ämter gewählt wurden, einen Beitrag für den Erfolg der Partei." Jeder Einzelne müsse Fragen nicht nur aufwerfen, sondern auch beantworten.

Zuletzt hatte sich unter anderem die stellvertretende Linke-Vorsitzende Katja Kipping zu Wort gemeldet und gefordert, den Streit um die inhaltliche Ausrichtung ihrer Partei "wirklich auszutragen". Dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe) sagte sie, die auch von den Parteivorsitzenden Lötzsch und Klaus Ernst praktizierte "Kraftmeierei und Wir-gegen-alle" würden nicht weiterhelfen. Lötzsch sagte, sie werde mit Kipping über deren Äußerungen sprechen.

Zur viel debattierten Aussage von Linksfraktionschef Gregor Gysi, Ex-Parteichef Oskar Lafontaine könne in einer "Notsituation" in die Bundespolitik zurückkehren, verweigerte Lötzsch jede Stellungnahme. "Dazu habe ich alles gesagt", erklärte sie.

Vizeparteichefin Wagenknecht sagte, der Grund für die derzeitige Krise ihrer Partei sei "nicht die Führung, sondern die ständige Demontage dieser Führung durch Teile der Partei". Der Knackpunkt sei, dass einige offensichtlich einen Kurswechsel wollten, sagte die Bundestagsabgeordnete. "Sie wollen nicht eine breitere, sondern eine verwaschenere Aufstellung." Das wäre jedoch "fatal" für die Partei.

Wagenknecht forderte den Schatzmeister der Linken, Raju Sharma, zum Rücktritt auf. "Wer sich anmaßt, der Parteispitze unverschämte Anweisungen erteilen zu können, wann und wozu sie sich äußert, hat sich für Führungsaufgaben vollständig disqualifiziert", sagte Wagenknecht der "Welt" (Dienstagausgabe).

Sharma hatte der "Süddeutschen Zeitung" über den Parteivorsitzenden Ernst gesagt: "Er soll sich konkret äußern oder die Klappe halten". Der Schatzmeister bezog sich dabei auf eine Rede Ernsts in Hamburg, in der dieser angekündigt hatte, die innerparteilichen Querelen nicht länger hinnehmen zu wollen.

Zu den Gerüchten, sie könne im Herbst Co-Fraktionschefin der Linken im Bundestag werden, wollte Wagenknecht nichts sagen: "Es ist noch nicht endgültig entschieden, ob es überhaupt eine Co-Fraktionschefin geben wird und wer dafür kandidiert. Dazu werde ich mich zu gegebener Zeit äußern."

dapd