Das Handwerk will für sein Handwerk klappern
Wirtschaftsmacht Handwerk
Von Roman Leuthner
Beinahe eine Million Handwerksbetriebe mit knapp fünf Millionen Beschäftigten und rund 500.000 Auszubildenden, die jährlich etwa eine halbe Billion Euro erwirtschaften: Selbstverständlich handelt es sich hier um eine Wirtschaftsmacht - jeder achte Erwerbstätige arbeitet im Handwerk, jeder dritte Auszubildende erlernt seinen Beruf in einem Handwerksunternehmen.
Das ist aber nur auf den ersten Blick richtig. Auf den zweiten erkennt man schnell die unverschuldeten, zum Teil aber auch hausgemachten Defizite der Wirtschaftsmacht Handwerk. Nur die größten oder innovativsten Unternehmen dieses Wirtschaftsbereichs wirken über ihren unmittelbaren regionalen Radius von etwa 50 Kilometern hinaus, die wenigsten sind in ganz Deutschland, eine noch geringere Anzahl ist in der Europäischen Union geschäftlich tätig. Global Player gibt es kaum. Besonders diese jedoch ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich und überstrahlen das wirtschaftliche Fundament, das zu Hause von den Beschäftigten des Handwerks gelegt wird. Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass im Medienalltag so gut wie nie von Handwerksbetrieben die Rede ist - ausgenommen, Politik- oder Wirtschaftsmagazine in Fernsehkanälen nehmen Pfusch im Handwerk aufs Korn oder machen, wie die Zeitschrift „stern“ vor einigen Jahren, Stimmung gegen „Räuber in Latzhosen“.
Pfuscher freilich gibt es überall - in der Ärzteschaft ebenso wie unter Rechtsanwälten oder auch unter Journalisten. Deshalb müssen sich integer arbeitende Handwerker mit qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen kaum darüber grämen, mit unlauteren Wettbewerbern bisweilen in einen Topf geworfen zu werden. Sie tragen keine Schuld daran und setzen sich auf lange Sicht im Markt durch.
Gleichwohl gibt es mitunter Defizite, die auf eigenes Fehlverhalten zurückzuführen sind: die mangelnde betriebswirtschaftliche Führung und die Missachtung finanzieller Ressourcen, mangelnde Innovationskraft und die Vermarktung nicht mehr zeitgemäßer Produkte, die Weigerung, sich neuem Wissen gegenüber zu öffnen und die eigenen Mitarbeiter methodisch fort- und weiterzubilden, Misstrauen gegenüber Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Betrieben. Zu einem der größten Defizite (und Missverständnisse) im Handwerk gehört jedoch der Irrglaube, dass ein guter Handwerker für seine Produkte und Leistungen nicht klappern müsste. Im Gegensatz zu diesem Sprichwort tun es in ausreichendem Maße nur die wenigsten, vor allem tun es die meisten nicht systematisch, sondern beschränken sich auf einige wenige Werbeaktionen im Jahr.
Dem will der Zentralverband des Deutschen Handwerks mit einer groß angelegten und über mehrere Jahre laufenden Imagekampagne abhelfen. „Ohne Handwerk ist alles nichts“: So lässt sich der Kern der Botschaft beschreiben, die vom 16. Januar 2010 an in TV- und Kinospots und mit einer großflächigen Anzeigenkampagne der Öffentlichkeit das Handwerk näherbringen will. Damit endlich auch alle begreifen, dass das Handwerk wirklich eine Wirtschaftsmacht ist.