Das Ringen um die Zukunft der WestLB geht in die entscheidende Phase. Bis Freitagabend müssen die Bundesregierung und die Eigentümer der ums Überleben kämpfenden Landesbank der EU-Kommission ein überzeugendes Restrukturierungskonzept vorlegen. Sonst droht der Bank nach den Worten von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia die Abwicklung.
Countdown für die WestLB
Düsseldorf (dapd-nrw). Das Ringen um die Zukunft der WestLB geht in die entscheidende Phase. Bis Freitagabend müssen die Bundesregierung und die Eigentümer der ums Überleben kämpfenden Landesbank der EU-Kommission ein überzeugendes Restrukturierungskonzept vorlegen. Sonst droht der Bank nach den Worten von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia die Abwicklung.
Nach dapd-Informationen wollen die Eigentümer der Bank der EU-Kommission erneut drei Optionen anbieten: den Komplettverkauf an einen der zwei noch vorhandenen Kaufinteressenten, eine weitere drastische Schrumpfung des Geldinstituts und die Umwandlung der WestLB in eine Verbundbank der Sparkassen. Damit würden die Deutschen allerdings einen Konflikt mit Brüssel riskieren. Denn EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte erst am Mittwoch klargestellt, dass er für die WestLB nur eine Zukunft als Sparkassen-Verbundbank akzeptieren würde. Dazu müssten große Teile des bisherigen Geschäfts abgespalten und verkauft werden.
Unterdessen wird immer klarer, dass die Rettung der WestLB vor den Folgen der Finanzkrise den Steuerzahler am Ende wohl mehrere Milliarden Euro kosten wird. Der 2008 vom Land Nordrhein-Westfalen und den Sparkassenverbänden wegen des Engagements des Geldinstituts bei toxischen Wertpapieren - dem sogenannten Phoenix-Portfolio - aufgespannte Rettungsschirm in Höhe von fünf Milliarden Euro werde wahrscheinlich nicht ausreichen, berichteten die Vorstände der mit der Abwicklung des Finanzdesasters beauftragten Ersten Abwicklungsanstalt (EAA) am Mittwochabend in Düsseldorf.
Deutschlands erste "Bad Bank", in die im vergangenen Jahr toxische Wertpapiere und andere Aktivitäten der WestLB in einem Gesamtvolumen von 77,5 Milliarden Euro ausgelagert wurden, hat deshalb - und wegen anderer Risiken - inzwischen zusätzliche Risikovorsorge in Höhe von rund zwei Milliarden Euro für wahrscheinliche Verluste aus misslungenen WestLB-Engagements getroffen.
Das Eigenkapital der "Bad Bank" hat sich dadurch innerhalb eines Jahres praktisch halbiert. Der Abwicklungsanstalt stehen nun noch 1,5 Milliarden Euro an Eigenmitteln zur Verfügung. Doch halten die EAA-Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers dies für ausreichend, um die vorhandenen Risiken abzudecken.
"Das ist aus heutiger Sicht eine solide Grundlage", betonte Bolder. "Denn wir rechnen nicht damit, dass wir im nächsten Jahr in vergleichbarer Größenordnung Risikovorsorge betreiben müssen." Die EAA gehe davon aus, dass die vorhandene Kapitalausstattung ausreiche. Die "Bad Bank" werde zusätzliche Garantien der öffentlichen Hand - über den Fünf-Milliarden-Euro-Rettungssschirm hinaus - wohl nicht in Anspruch nehmen müssen.
Im ersten Jahr ihrer operativen Tätigkeit hat die EAA nach eigenen Angaben bereits rund 22 Prozent ihres ursprünglichen Portfolios abgebaut. Das Nominalvolumen der gehaltenen Aktiva sank um knapp 17 Milliarden Euro auf 60,7 Milliarden Euro. Der Abwicklungserfolg habe die ursprünglichen Planungen um rund 15 Prozent übertroffen, berichtet die EAA. Dies zeige, dass das Modell der Abwicklungsanstalt funktioniere. Bis 2014 will die "Bad Bank" das ursprüngliche Volumen des Portfolios halbieren.
dapd
