Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern vor einem erweiterten Nachtflugverbot am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) gewarnt. Der SPD-Politiker sprach am Donnerstag von einer "gigantischen Zahl" von Arbeitsplätzen, die in Berlin und Brandenburg durch ein Verbot verloren gehen würden.
Wowereit und IHK warnen vor Ausdehnung des Nachtflugverbots am BBI
Berlin (dapd-lbg). Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern vor einem erweiterten Nachtflugverbot am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) gewarnt. Der SPD-Politiker sprach am Donnerstag von einer "gigantischen Zahl" von Arbeitsplätzen, die in Berlin und Brandenburg durch ein Verbot in den Zeiten zwischen 22.00 und 24.00 Uhr sowie 5.00 und 6.00 Uhr verloren gehen würden. Es gehe um bis zu 18.000 Stellen im Jahr 2023: "Ich glaube, die Zahl ist sogar noch größer."
Auch der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer, nannte Flüge in den sogenannten Randzeiten "elementar" für die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadtregion. Sollten sie weiter beschränkt werden, "werden wir ein deutlich geringeres Wachstum haben als wir könnten und als wir müssten, um zum Bundesdurchschnitt aufzuschließen", sagte Schweitzer. Noch liege Berlins Wertschöpfung um 15 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Über Klagen von Bürgern, die ein Flugverbot auch in den Randzeiten fordern, muss noch das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Die Anwohner fürchten gesundheitliche Belastungen durch Fluglärm sowie eine Entwertung ihrer Grundstücke. Die Kläger wenden sich gegen die 2009 beschlossene Ergänzung zum Planfeststellungsverfahren. Diese Ergänzung genehmigt in Spitzenzeiten 103 Flugbewegungen in den Randzeiten, geht aber im Schnitt von 77 Starts und Landungen in der Nacht aus. Unterstützung bekommen die zahlreichen Bürgerinitiativen unter anderem auch von den Brandenburger Grünen.
Wowereit rechnet bis September mit einer Entscheidung der Richter. Er zeigte sich zuversichtlich, dass an den Flügen am frühen Morgen und dem späten Abend nicht gerüttelt wird. Der BBI sei gebaut worden, um ein Drehkreuz zu sein, um internationale Verbindungen anzubieten und um den "Flugverkehr zu erweitern". Wowereit erwartet, dass schon "demnächst" der Flughafen um weitere Satellitengebäude erweitert werden muss.
Sollte der Flugverkehr auch in den Randzeiten ruhen müssen, würden Billigfluglinien abwandern, fürchtete IHK-Präsident Schweitzer. Auch einzelne Kurz- und Mittelstreckenverbindungen würden wegfallen und "kaum noch Interkontinentalflüge" angeboten, sagte Schweitzer. Denn gerade Flugzeuge nach Fernost starteten wegen der Zeitverschiebung oft spätabends.
"Unser Ziel kann es nicht sein, dass wir mit dem BBI ein schöneres Tegel haben wollen", sagte der IHK-Chef. Er erkannte jedoch an, dass zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr morgens ein absolutes Flugverbot gelte - abgesehen etwa von Regierungs- und Rettungsflügen: "Das ist Beschlusslage, damit ist das Thema durch."
Wowereit wies darauf hin, dass mit weniger Flugverbindungen auch weniger Flugzeuge fest am BBI stationiert würden. Dies koste wiederum Arbeitsplätze in den Werkstätten der Airlines.
Der Regierungschef erkannte das Schutzbedürfnis der Anwohner vor Fluglärm an. Es gebe aber "himmelweite Unterschiede" bei den Belastungen. Viele Proteste gegen den Flughafen kämen gerade aus Regionen, in denen die Flughöhe bereits so hoch sei, "dass die Lärmbelästigung zu vernachlässigen ist", sagte Wowereit.
Zudem entlaste der BBI nicht nur Anwohner des Flughafens Berlin-Tegel, der mit dem Betriebsbeginn geschlossen wird. Der neue Großflughafen werde auch zur "Entlastung" der Bürger rund um Schönefeld führen, weil während fünf Stunden in der Nacht gar nicht geflogen werden dürfe.
dapd
