Die ersten harren schon eine Stunde vorher im Regen aus. Zwei ältere Damen aus dem Osterzgebirge stehen seit 10 Uhr am Absperrgitter und warten auf die Königin. "Wir sind extra nach Dresden gekommen", erzählen sie.
Lächeln, winken, Abstand halten
Dresden (dapd-lsc). Die ersten harren schon eine Stunde vorher im Regen aus. Zwei ältere Damen aus dem Osterzgebirge stehen seit 10 Uhr am Absperrgitter und warten auf die Königin. "Wir sind extra nach Dresden gekommen", erzählen sie. Und weil sie schließlich auch eine gute Sicht haben wollen auf die niederländische Königsfamilie, die am Donnerstag um 11 Uhr vor der Frauenkirche eintreffen soll, sind sie extra früh hergekommen.
An die hundert Schaulustige gesellen sich nach und nach dazu, mehrere Dutzend Polizisten und Sicherheitsleute achten darauf, dass keiner die Absperrungen übertritt. Königin Beatrix habe den Wunsch geäußert, bei ihrem Besuch in Dresden auch Einheimische zu treffen, hieß es in der Staatskanzlei. Um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, müsse aber gebührender Abstand gewahrt werden.
Die ersten Zaungäste warteten schon am früheren Morgen vor der Staatskanzlei im Regen, um einen Blick auf Königin Beatrix, ihren Sohn, Kronprinz Willem-Alexander, und dessen Frau Maxima zu erhaschen. Empfangen werden sie vom Schneeberger Musikkorps und den Dresdner Kapellknaben mit einem Lied des Dresdner Komponisten Heinrich Schütz. Als eine Schülergruppe ein Stück zur Geschichte Sachsens aufführt, zeigt sich die Königin amüsiert.
Als Beatrix, Willem-Alexander und Maxima um kurz nach elf vor der Frauenkirche eintreffen, brandet Jubel auf. Nur kurz bekommen die Zaungäste den hohen Besuch zu sehen, dann schließen sich die Türen hinter der Gesellschaft, der neben der Königsfamilie und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und dessen Frau Veronika auch Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP), Mitarbeiter des Königshauses und zahlreiche Sicherheitsleute angehören.
Die Frauenkirche hatte Königin Beatrix schon bei ihrem letzten Dresden-Besuch im Jahr 1998 besichtigt. Damals war die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche noch eine Baustelle. Mit Spenden aus aller Welt wurde sie wiedererrichtet. Auch Königin Beatrix stiftete einen Bogenstein, den sie heute an Ort und Stelle bewundern kann. Am alten Turmkreuz im Kirchenschiff, das bei den Bombenangriffen auf Dresden zu einem bizarren Gebilde zerschmolz, entzünden die Königin und das Kronprinzenpaar Friedenslichter.
Nach einer Führung durch die Frauenkirche, einem kurzen Gebet von Landesbischof Jochen Bohl, und einem Orgelspiel mit Trompetenbegleitung verlässt die königliche Gesellschaft das Gotteshaus wieder. Draußen drängt sich eine kleine Menschenmenge. Handykameras werden gezückt, es wird gewunken, "Hallo" gerufen, sogar gejubelt und geklatscht. Die Hoheiten zeigen sich gutgelaunt, lächeln und winken zurück.
Von der Frauenkirche geht es durch die Münzgasse zur Brühlschen Terrasse, über den Schlossplatz und den Theaterplatz zum Zwinger und schließlich ins Residenzschloss. Königin und Prinzenpaar plaudern angeregt mit den Gastgebern. Ministerpräsident Tillich und Bürgermeister Hilbert halten den Damen charmant die Schirme. Drumherum wuseln aufgeregte Passanten und Journalisten, von Sicherheitsleuten nachdrücklich auf mindestens zwei Meter Abstand gehalten. Die Königsfamilie ignoriert das sie umgebende Chaos routiniert und lauscht den Ausführungen der Stadtführerin Claudia Friedemann, die zu jedem Ort einige Anekdoten erzählt.
Nur zweimal auf dem fast einstündigen Rundgang wird die Mauer zwischen Königsgesellschaft und Volk durchbrochen: vor dem Zwinger, als ein Leierkastenspieler dem hohen Besuch aus den Niederlanden orangefarbene Tulpen überreicht. Und im Innenhof des Zwingers, als ein junger argentinischer Tourist ruft: "Maxima, ich bin auch aus Buenos Aires!" Da strahlt die gebürtige Argentinierin Maxima. Kurz darauf verschwindet die Gesellschaft auch schon im Grünen Gewölbe des Residenzschlosses, um die fürstliche Kleinodiensammlung zu besichtigen.
Den Hoheiten scheint die kurze Stippvisite im alten Dresden gefallen zu haben: "So schade, dass wir nur einen kleinen Eindruck schaffen", hatte der Kronprinz auf den Brühlschen Terrassen mit Blick auf die Elbe gesagt. "Aber dann müssen wir eben wieder zurückkommen."
dapd
