Seehofer schwärmt von seinen Treffen mit Putin und Medwedjew - Zeil irrt durch Moskau "Eine Auszeichnung für Bayern"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein Vize Martin Zeil (FDP) kommen aus dem Staunen gar nicht heraus. Bis kurz vor dem Start ihres Russlandbesuchs war die Liste der prominenten Gesprächspartner für die Reise recht überschaubar gewesen.

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"Eine Auszeichnung für Bayern"

Moskau (dapd). Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein Vize Martin Zeil (FDP) kommen aus dem Staunen gar nicht heraus. Bis kurz vor dem Start ihres Russlandbesuchs war die Liste der prominenten Gesprächspartner für die Reise recht überschaubar gewesen. Nach drei Tagen in Moskau haben sie nun nicht nur den Vize-Ministerpräsidenten und mehrere Minister getroffen, sondern wurden innerhalb von gerade einmal 20 Stunden zudem sowohl von Präsident Dmitri Medwedjew als auch von Premierminister Wladimir Putin empfangen. "Das ist eine Auszeichnung für Bayern", schwärmt Zeil.

Putin hat die Gäste aus dem Freistaat am Mittwoch in seine Residenz Nowo-Ogarjowo geladen, ein großräumiges und gut abgeschirmtes Anwesen, etwa 25 Kilometer vor den Toren Moskaus. Kurz vor 13.00 Uhr, knapp eine Stunde später als angesetzt, betritt er mit energischem Schritt den bunt ausgeschmückten Saal, schüttelt den Bayern die Hände und fragt Seehofer auf Deutsch nach dem Befinden.

Die Themen des Treffens lassen sich schon aus der Zusammensetzung der Gesprächsrunde an dem großen ovalen Tisch aus Kirschholz ablesen: Von russischer Seite sind noch der Energie- und der Industrieminister dabei sowie der Vizegeneraldirektor der russischen Atomagentur Rosatom. Seehofer wiederum hat neben Wirtschaftsminister Zeil Spitzenvertreter von zwei der wichtigsten bayerischen Unternehmen mitgebracht: Siemens-Chef Peter Löscher und BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt. So geht es in dem Gespräch um wirtschaftliche Zusammenarbeit, um Energiepolitik und die Automobilindustrie.

Aber auch "menschliche, freundschaftliche Beziehungen" spielten bei dem Gespräch eine Rolle, wie Seehofer hinterher berichtet. Er richtet dem russischen Regierungschef Grüße von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) aus. Putin lässt ebenfalls Grüße ausrichten und gerät dann ins Schwärmen über Stoiber: "Ich fühle mich nach wie vor in seiner Schuld für seinen hervorragenden Empfang in Bayern", sagt Putin mit Blick auf seinen Besuch im Freistaat vor ein paar Jahren.

Seehofer zeigt sich ganz begeistert von seinen russischen Gesprächspartnern, von der "freundschaftlichen" und "sehr konstruktiven" Atmosphäre der Treffen. Schon nach dem Gespräch mit Medwedjew lobte er die große inhaltliche Übereinstimmung: "Der einzige Differenzpunkt ist die Nukleartechnologie." Denn im Gegensatz zu Bayern will Russland nicht aus der Atomenergie aussteigen, sondern die Kernkraft sogar ausbauen.

Über Demokratiedefizite in Russland will Seehofer weder mit den Politikern noch mit Journalisten reden. "Lasst den Leuten doch Zeit, lasst sie entwickeln", ruft er aus. "Sie sind gut unterwegs." Als Zeil einräumt, dass das Rechtssystem nicht vergleichbar sei mit dem deutschen, fällt ihm der Ministerpräsident ins Wort: "Sie bemühen sich. Es läuft in die absolut richtige Richtung."

In die falsche Richtung unterwegs war nach dem Treffen mit Putin jedenfalls Zeil: Er fuhr direkt von Putins Residenz zum Flughafen, um nach St. Petersburg zu kommen, wo er am frühen Abend die Deutsche Woche eröffnen sollte, deren Partner-Bundesland in diesem Jahr Bayern ist. Doch der Wirtschaftsminister suchte am falschen Flughafen nach seinem Flugzeug und verpasste die Maschine. So traf Seehofer, der einen viel späteren Flug gebucht hatte, eine halbe Stunde vor seinem Vize in Petersburg ein - und eröffnete die Deutsche Woche selbst. Es sei das erste Mal in seiner Amtszeit, sagte Seehofer unter großem Gelächter im Saal, "dass ich als Ministerpräsident den stellvertretenden Ministerpräsidenten vertreten darf".

dapd