Das umstrittene Einheits- und Freiheitsdenkmal auf dem Berliner Schlossplatz soll nach den Entwürfen der Arbeitsgemeinschaft Milla und Partner sowie der Choreografin Sasha Waltz erbaut werden. Die Arbeit mit dem Titel "Bürger in Bewegung" treffe die Thematik am besten, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Mittwoch vor dem Kulturausschuss des Bundestags.
Einheitsdenkmal wird von Milla und Waltz gebaut
Berlin (dapd). Das umstrittene Einheits- und Freiheitsdenkmal auf dem Berliner Schlossplatz soll nach den Entwürfen der Arbeitsgemeinschaft Milla und Partner sowie der Choreografin Sasha Waltz erbaut werden. Die Arbeit mit dem Titel "Bürger in Bewegung" treffe die Thematik am besten, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Mittwoch vor dem Kulturausschuss des Bundestags. Das Denkmal soll den Angaben zufolge in zwei bis drei Jahren komplett fertig sein.
Neumann sagte, zusammen mit dem Verkehrsministerium habe er die Entscheidung für diesen Entwurf getroffen. Vertreter der schwarz-gelben Koalition und der SPD begrüßten die Entscheidung. Linke und Grüne äußerten sich kritisch.
Der Entwurf zeigt eine himmelwärts gebogene, begehbare Waagschale aus Glas und Metall. Wenn sie von Besuchern betreten wird, bewegt sie sich. Auf ihrer Oberseite sind Losungen aus der Zeit des Mauerfalls zu sehen, die untere, vergoldete Seite zieren Bilder der Demonstrationen vom Herbst 1989 und aus der Wendezeit.
Milla (Stuttgart) und Waltz setzten sich gegen die Architekten Andreas Meck (München) und Stephan Balkenhol (Karlsruhe) durch. Alle drei Architektengemeinschaften waren im Oktober nach einem zweiten Wettbewerb zu Siegern gekürt worden und sollten ihre Entwürfe überarbeiten.
Mit der Entscheidung geht eine jahrelange Suche voller Pleiten und Pannen nach einem geeigneten Entwurf zu Ende: Ein erster Wettbewerb war 2009 gescheitert, weil keine der damals 533 eingereichten Arbeiten die notwendige Mehrheit erhielt. Für den zweiten Wettbewerb wurden gezielt Künstler und Architekten zur Bewerbung aufgefordert. Mitte Oktober war die Entscheidung für einen Siegerentwurf jedoch erneut aufgeschoben worden. Die 15-köpfige Jury des zweiten Wettbewerbes vergab drei gleichrangige Preise mit der Vorgabe, diese sollten überarbeitet werden.
Für den Bau des Denkmals stehen zehn Millionen Euro zur Verfügung. Der Bundestag hatte ihn am 9. November 2007 beschlossen. Als Standort wurde der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm auf der Schlossfreiheit festgelegt.
Sasha Waltz, die bekannt für ihre raumfüllenden Choreografien ist und unter anderen mit ihren Tänzern das Neue Museum in Berlin einweihte, sagte, ihr sei es wichtig gewesen, der Bürgerbewegung ein Gewicht zu verleihen, im wahrsten Sinne des Wortes. Mit der eigenen Körpermasse setze man das Denkmal in Bewegung - Gruppen könnten die Erinnerung nur gemeinsam generieren. Der Architekt Sebastian Letz von Milla und Partner sagte, es solle ein offener Ort für alle werden, "ein Machmal".
Linke und Grüne kritisierten das Verfahren. Es habe keine offene und breite öffentliche Diskussion gegeben, monierte Grünen-Chefin Claudia Roth. Zudem sei der geplante Ort wegen seiner Vergangenheit nicht geeignet. Ähnlich äußerte sich Rosemarie Hein von der Linksfraktion. Die Freiheitsbewegung habe an anderen Orten stattgefunden, wo auch Denkmäler errichtet werden könnten, nicht aber in der Mitte Berlins.
Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse begrüßte den Entwurf. Dies sei ein interaktives Denkmal mit spielerischen Elementen und bilde an dem Ort, an dem einst das Kaiser-Wihelm-Denkmal stand, einen geeigneten Kontrapunkt, da es alles andere als imperial sei. Es repräsentiere einen glücklichen Moment deutscher Geschichte. Der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, sagte, er freue sich auf ein fröhliches, beschwingtes Mitmachdenkmal.
In Leipzig soll ebenfalls ein Freiheits-Denkmal entstehen, für das der Bundestag fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat.
dapd
