Seehofer trifft Medwedew Bayern will sich in russischem Silicon Valley engagieren

Bei einem Treffen im Kreml haben der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der russische Präsident Dmitri Medwedew über Perspektiven der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gesprochen. Medwedew empfing Seehofer und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) am Dienstag am Rande des Festakts im Moskauer Kremlpalast zum 50. Jahrestag des Weltraumflugs von Juri Gagarin.

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Bayern will sich in russischem Silicon Valley engagieren

Moskau (dapd-bay). Bei einem Treffen im Kreml haben der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der russische Präsident Dmitri Medwedew über Perspektiven der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gesprochen. Medwedew empfing Seehofer und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) am Dienstag am Rande des Festakts im Moskauer Kremlpalast zum 50. Jahrestag des Weltraumflugs von Juri Gagarin. Ein Staatskanzleisprecher sagte, dass der russische Präsident den bayerischen Ministerpräsidenten treffe, sei ein Zeichen der besonderen Wertschätzung, die Bayern in Russland genieße.

Bayern erhofft sich vom milliardenschweren russischen Innovationsprojekt Skolkowo, bei dem eine Art Silicon Valley in der Nähe von Moskau entstehen soll, große Chancen für seine Wirtschaft. Seehofer und Zeil warben am Dienstagmorgen bei einem Treffen mit dem Chefentwickler des Hochtechnologieprojekts, dem Milliardär Wiktor Wechselberg, für eine Intensivierung der Zusammenarbeit.

Skolkowo ist ein Vorzeigeprojekt des Modernisierungsprogramms von Medwedew. Das Ziel, ein russisches Silicon Valley, zu schaffen sei "ein hoher Anspruch", betonte Seehofer. "Deswegen brauchen wir da unser Flaggschiff Siemens, mit der TU München im Schlepptau."

Siemens-Chef Peter Löscher, der dem Stiftungsrat von Skolkowo angehört, war einer der Wirtschaftsvertreter, die Seehofer zu dem Treffen begleiteten. Die Staatsregierung hofft, dass über den Münchner Weltkonzern hinaus auch kleinere bayerische Unternehmen in Skolkowo zum Zug kommen. Bei dem Gespräch sei das Tor "etwas geöffnet worden für mittelständische Betriebe", sagte Seehofer anschließend.

Potenzial für eine bayerisch-russische Zusammenarbeit sehen Wechselberg und Löscher insbesondere auf dem Feld der Energieeffizienz. "Russland ist für uns ein ganz wichtiger Wachstumsmarkt", betonte Löscher und verwies auf Medwedews Modernisierungsprogramm. In Skolkowo könnten bayerische Unternehmen ihre Innovationskraft einbringen.

Im etwa fünf Kilometer von Moskau entfernten Skolkowo soll quasi aus dem Nichts eine 25.000-Einwohner-Stadt für Wissenschaftler, Unternehmer und Studenten entstehen, wo neue Produkte entwickelt, erprobt und kommerziell verwertet werden sollen. Bereits jetzt konnten neben russischen Experten und Unternehmern auch einige namhafte internationale Firmen als Partner gewonnen werden. Schwerpunkte sollen Energieeffizienz, Biomedizin, Informationstechnologie, Raumfahrt und Nukleartechnologie sein.

Zeil erläuterte, bei dem Treffen habe man Wechselberg auch bayerische Projekte wie den Energie-Campus vorgestellt. Bayern verfolge wie das Skolkowo-Projekt den Netzwerkgedanken. Es sei vereinbart worden, "dass wir das zusammenbringen".

Thema des Gesprächs war auch der angestrebte Atomausstieg Deutschlands. Wechselberg erläuterte mit Blick auf die Reaktorkatastrophe in Japan, die Sicherheit der Nukleartechnologie werde eine "Toppriorität" in Skolkowo sein, da ein schneller Ausstieg unrealistisch sei. Nach Einschätzung von Zeil könnte das russische Innovationsprojekt in der Frage internationaler Sicherheitsstandards große Bedeutung gewinnen. Seehofer versicherte zugleich, er habe bei dem Gespräch aber deutlich gemacht, dass Bayern an der Energiewende festhalten werde.

Am Mittwoch wird Seehofer vom russischen Premierminister Wladimir Putin empfangen. Anschließend reist er nach St. Petersburg weiter.

dapd