Das verwirrende Hin und Her beim umstrittenen Biosprit E10 hat jetzt auch die CDU/CSU in Berlin erfasst. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erklärte am Dienstag, die Bundesregierung halte trotz des Chaos bei der Einführung von E10 an dem neuen Superbenzin mit einem zehnprozentigen Ethanolanteil fest. Der neue Kraftstoff sei politisch gewollt, sagte Ramsauer im ARD-"Morgenmagazin".
Ramsauer dafür - Kauder dagegen - CDU-Verbraucherpolitikerin will staatliche Preiskontrolle
Hamburg/Berlin (dapd). Das verwirrende Hin und Her beim umstrittenen Biosprit E10 hat jetzt auch die CDU/CSU in Berlin erfasst. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erklärte am Dienstag, die Bundesregierung halte trotz des Chaos bei der Einführung von E10 an dem neuen Superbenzin mit einem zehnprozentigen Ethanolanteil fest. Der neue Kraftstoff sei politisch gewollt, sagte Ramsauer im ARD-"Morgenmagazin".
Dagegen sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) der "Bild"-Zeitung: "Ich glaube nicht, dass sich E10 am Markt halten wird. Die Verbraucher haben entschieden. In vielen Ländern hungern Menschen, da gehört Weizen nicht in den Tank."
Diesen Vorwurf wiesen die traditionell CDU/CSU-nahen deutschen Bauern sofort zurück: "Wir brauchen Bioenergie, wir brauchen E10", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Gerd Sonnleitner, in Berlin. Bioenergie werde gebraucht, um die CO2-Emissionen zu senken. Derzeit würden nur 2 der 18 Millionen Hektar deutscher Agrarfläche für Bioenergie genutzt und mehr als 3 Millionen seien nicht geplant. Die "Teller-Tank-Diskussion" halte er vor diesem Hintergrund für völlig unangebracht. Das Ethanol für E10 lässt viel Geld in die Taschen der Bauern fließen.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil forderte staatliche Benzinpreiskontrollen. "Wir prüfen die Einführung einer österreichischen Lösung. Dort darf der Kraftstoffpreis immer gesenkt, aber nur einmal am Tag erhöht werden", sagte die Verbraucherpolitikerin der "Rheinischen Post".
Die beiden größten deutschen Tankstellenkonzerne Aral und Shell hatten angekündigt, dass sie das alte Super mit der Bezeichnung E5 wieder an allen ihren mehr als 4.000 Tankstellen anbieten werden.
Die Mineralölindustrie hatte Superbenzin E10 zu Jahresbeginn eingeführt, weil die Bundesregierung höhere Beiträge des Autoverkehrs zum Klimaschutz fordert. Super E10 besteht zu zehn Prozent aus Ethanol, das aus Weizen und Zuckerrüben hergestellt wird. Bei Super E5 sind es nur bis zu fünf Prozent. Viele Autofahrer sorgen sich, dass ihr Wagen E10 nicht verträgt. Die Autohersteller hatten mehr als 90 Prozent aller Autos E10-Verträglichkeit bescheinigt.
Shell nimmt im Zuge der Rückkehr von E5 an alle Stationen die Sorte Super plus an den betroffenen Tankstellen aus dem Programm. Bei Shell heißt dieser vor allem für Sportwagen und andere hoch belastete Motoren gedachte Sprit V-Power. In Zukunft wird Shell dann Super E10, Super E5 und das extrem edle V-Power Racing anbieten.
Ramsauer appellierte an die Branche, den Verbrauchern das neue Produkt besser zu erklären. Die bisherigen Versuche der Mineralölwirtschaft seien "plump und unbeholfen" gewesen, die Branche müsse da "schon noch mal ran". Er gehe davon aus, dass das Bundeskartellamt "sehr genau beobachtet, was die Konzerne da treiben", zumal der Osterverkehr sehr gern genutzt werde, um die Benzinpreise noch mal in die Höhe zu treiben, sagte der Minister.
Der Mineralölwirtschaftsverband veröffentlichte dagegen eine Umfrage, wonach 75 Prozent der Autofahrer wissen, ob ihr Motor E10 verträgt oder nicht. Dennoch hätten sich nur 22 Prozent der Autofahrer beim letzten Tanken für E10 entschieden, 78 Prozent tankten Super E5 oder Super Plus E5.
Unterdessen zeichnete sich am Dienstag ab, dass die Ölkonzerne das nun wieder erhältliche klassische Super deutlich teurer als E10 anbieten: Bei Aral in München beispielsweise kostete Super E5 acht Cent mehr als Super E10, obwohl E5 in der Produktion deutlich billiger ist. Auch in Berlin war E5 teurer als E10.
dapd
