Die Bemühungen der FDP um einen Ausweg aus dem Stimmungstief werden durch Plagiatsvorwürfe gegen Präsidiumsmitglied Silvana Koch-Mehrin erschwert. Die Universität Heidelberg prüft derzeit, ob die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments wie der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht korrekt genannt hat.
Uni Heidelberg prüft Plagiatsvorwürfe zur Doktorarbeit der Vizepräsidentin des EU-Parlaments
Heidelberg/Brüssel (dapd). Die Bemühungen der FDP um einen Ausweg aus dem Stimmungstief werden durch Plagiatsvorwürfe gegen Präsidiumsmitglied Silvana Koch-Mehrin erschwert. Die Universität Heidelberg prüft derzeit, ob die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments wie der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht korrekt genannt hat. Mit einem Ergebnis ist allerdings vor Ostern nicht mehr zu rechnen.
Koch-Mehrin war bislang als mögliche Vizechefin der FDP in der neuen Mannschaft des designierten Parteivorsitzenden Philipp Rösler im Gespräch. Die 40-Jährige äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Ein Sprecher verwies am Dienstag auf Anfrage auf die laufende Prüfung der Doktorarbeit durch die Universität.
Die Angriffe auf Koch-Mehrin stammen von der Internetseite "VroniPlag", auf der selbst ernannte Plagiatsjäger die Dissertation der FDP-Politikerin untersuchen. Angeblich wurden bis Dienstagnachmittag 27 Seiten mit möglichen Plagiaten gefunden - rund 13 Prozent der Doktorarbeit. Sie behandelt das Thema "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik".
Die Heidelberger Universität war von den Vorwürfen am Montag informiert wurden. Pressesprecherin Marietta Fuhrmann-Koch sagte der Nachrichtenagentur dapd, es müsse so zügig wie möglich, aber auch mit der gebotenen Sorgfalt für eine Klärung gesorgt werden. Es befasse sich bereits der Promotionsausschuss der Fakultät mit dem Fall.
Sollten sich die Vorwürfe erhärten, schaltet sich auch die Uni-Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis ein. Erst dann werde Koch-Mehrin zu einer Stellungnahme aufgefordert, sagte die Sprecherin. Sie verwies darauf, dass die Prüfung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Dissertation habe 227 Seiten - und das gesamte Werk werde nun "unabhängig von irgendwelchen Fundstellen im Internet" vom Promotionsausschuss nach den Kriterien der Hochschule durchgelesen.
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) mahnte derweil einen "verantwortungsvollen Umgang mit dem Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens" an. DHV-Präsident Bernhard Kempen warnte: "Der Ruf des einzelnen Wissenschaftlers und seiner Universität sowie das Vertrauen in die Unparteilichkeit und Redlichkeit von Wissenschaft stehen auf dem Spiel." Bereits der bloße Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens könne die Karriere eines Wissenschaftlers zerstören.
Wer fahrlässig falsche öffentliche Anschuldigungen wissenschaftlichen Fehlverhaltens erhebe, mache sich selbst eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig. Klar sei aber auch, falsch verstandene Kollegialität dürfe es nicht geben. Kempen betonte: "Wer seiner beruflichen Pflicht und Verantwortung als Hochschullehrer nachkommt und bei vorliegenden Anhaltspunkten wissenschaftlichen Fehlverhaltens eine Prüfung einleitet, darf nicht als Nestbeschmutzer geächtet werden."
dapd
