Familie und Beruf Mütter investieren weniger Zeit in den Job

Mütter arbeiten heute zwar etwas häufiger, investieren aber weniger Stunden pro Woche als vor zehn Jahren in die Berufstätigkeit. Dabei gibt es nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen.

Mütter investieren weniger Zeit in den Job

Durchschnittlich haben westdeutsche Frauen je nach Alter ihrer minderjährigen Kinder ein Wochenpensum zwischen 6,3 und 19,1 Arbeitsstunden. Das hat Arbeitsmarktforscherin Christine Franz aus Mikrozensus-Daten berechnet. Selbst die Mütter der 15- bis 17-Jährigen stehen damit dem Arbeitsmarkt nur mit halber Kraft zur Verfügung. In Ostdeutschland arbeiten schon die Mütter von Drei- bis Fünfjährigen durchschnittlich 20 Wochenstunden, allerdings steige auch hier der Wert nur auf 25 Stunden bei Frauen mit fast volljährigen Kindern. "Der Vergleich von 2000 zu 2007 zeigt, dass die Arbeitsvolumina in fast allen Altersgruppen gesunken sind“, so die Wissenschaftlerin.

Vor allem der Anteil der vollzeitbeschäftigen Mütter ist zurückgegangen, stellt Christine Franz fest. Selbst bei schon 15-jährigen und älteren Kindern arbeitet nur rund jede vierte Vollzeit. In Ostdeutschland liegen die Müttererwerbstätigkeit und auch der Vollzeitanteil höher. Jedoch seien hier die Erwerbstätigenquoten bei den Frauen mit Schulkindern (jüngstes Kind zwischen 6 und 17 Jahren) teilweise deutlich gesunken.

Die hohe Erwerbsbeteiligung der Väter – im Westen noch höher als im Osten – bleibt demgegenüber weitgehend unabhängig vom Alter der Kinder, wie der Geschlechtervergleich für das Jahr 2007 belege. Ebenso der Umfang: Nur rund drei bis vier Prozent der westdeutschen Väter arbeiten Teilzeit. Zwar liege der Anteil in Ostdeutschland etwas höher, jedoch müsse davon ausgegangen werden, dass die Teilzeitbeschäftigung hier (wie auch bei ostdeutschen Frauen) häufig nicht freiwillig gewählt wird. Lediglich bei einem kleinen Teil der Väter mit Kindern unter zwei Jahren sieht Christine Franz Indizien für eine familiär bedingte Arbeitszeitreduzierung. Das Erwerbsverhalten von Männern insgesamt scheine bisher nicht familienfreundlicher geworden zu sein.

Frauen arbeiten deutlich häufiger unbezahlt als Männer – vor allem, weil sie sich um Haushalt, Kindererziehung und Pflege kümmern. Das geht aus einer Studie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Typische Männerarbeiten ohne Entgelt sind Reparaturen oder Handwerkertätigkeiten.

Laut OECD arbeitet der Durchschnittsbürger im Schnitt fast dreieinhalb Stunden täglich unbezahlt. Deutschland liege mit 3,6 Stunden sogar darüber. Die Lasten sind jedoch ungleich verteilt: Frauen arbeiten in Deutschland rund hundert Minuten pro Tag mehr als Männer ohne Entgelt. Im OECD-Schnitt seien es sogar knapp 150 Minuten.

Unbezahlte Arbeit komme bei der Messung des gesellschaftlichen Wohlstands häufig zu kurz, da sie nicht im Bruttoinlandsprodukt (BIP) berücksichtigt werde, teilte die OECD mit. Wäre dies der Fall, würde sich nach ihren Schätzungen das BIP eines durchschnittlichen OECD-Landes, je nach angesetztem Stundenlohn, um 30 bis 50 Prozent erhöhen.

Frauen oft nur teilzeitbeschäftigt

Ein Großteil der unbezahlten Arbeit seien Tätigkeiten im Haushalt. Wie die Studie zeigt, gibt es immer noch typische Frauen- und Männertätigkeiten: Dreimal so viele Frauen wie Männer putzen; doppelt so viele Frauen wie Männer kochen und kümmern sich um die Kindererziehung. Hingegen sind dreimal so viele Männer mit Bau- und Reparaturarbeiten beschäftigt. Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten liegen beide mit jeweils drei Prozent gleich auf.

Als Grund für den hohen Frauenanteil bei der unbezahlten Arbeit gab die OECD an, dass Frauen häufiger als Männer keiner Lohnarbeit nachgingen oder nur Teilzeit arbeiteten. In Ländern, in denen viele Frauen Vollzeit arbeiten, übernähmen Männer mehr unbezahlte Arbeit. In der Regel gelte: Je höher der Anteil erwerbstätiger Frauen in einem Land sei, desto ausgeglichener sei die Gesamtarbeitszeit – sowohl unbezahlt als auch bezahlt – zwischen den Geschlechtern.

In der alle zwei Jahre erscheinenden Studie "Gesellschaft auf einen Blick" werden soziale und politische Entwicklungen in den Mitgliedsländern der OECD verglichen. In der aktuellen Ausgabe geht es um die Bedeutung unbezahlter Arbeit für den gesellschaftlichen Wohlstand.

dhz / dapd