Obiges Motto gilt momentan für die deutsche Wirtschaft. Das haben gerade erst wieder die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose für das Frühjahr 2011 festgestellt. 2,8 Prozent Wachstum werden nun für das Jahr 2011 für möglich gehalten. Ein Kommentar von Lothar Semper

Sie läuft und läuft und läuft
Der Bundeswirtschaftsminister wird sicherlich seine Erwartungen in Kürze ebenfalls anheben. Dementsprechend positiv werden auch die Auswirkungen auf Beschäftigtenzahlen und Steuereinnahmen eingeschätzt. Für das Handwerk besonders wichtig ist, dass nach der Einschätzung der Wirtschaftsexperten auch die für das Handwerk so wichtigen Nachfragekomponenten "Privater Verbrauch" und "Bauinvestitionen" zu den Wachstumsträgern gehören - zwar mit deutlich geringeren Zunahmen als der Export, aber immerhin.
Also alles in Ordnung - und Wirtschafts- und Finanzkrise vergessen? Denn immerhin wären mit einem Wachstum wie prognostiziert die Einbußen des Jahres 2009 dann heuer schon wieder aufgeholt. Aber auch die Experten sind sich noch nicht ganz so sicher. Denn sie schreiben zugleich und halten sich als Hintertürchen offen, dass eine Öl-Angebotsverknappung bei zunehmenden Unruhen im arabischen Raum oder eine Zuspitzung der europäischen Schulden- und Vertrauenskrise die Wirtschaft deutlich belasten dürften.
Für Optimisten allerdings, die der Wachstumsprognose von 2,8 Prozent vertrauen, ist auch klar, dass dann die wirtschaftspolitische Debatte sich wieder dem Thema Steuer- und Abgabensenkungen widmen muss. Könnte allerdings sein, dass die Wirtschaft nach dem FDP-Debakel hier einen wichtigen Fürsprecher verloren hat. Für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes wäre dies jedoch bedenklich. Die Wirtschaftsforscher empfehlen, auf Konsolidierungskurs zu bleiben und auf Nachbesserungen beim Europäischen Stabilisierungsmechanismus hinzuwirken. Das muss sicherlich Priorität haben.
Aber auch die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gerade für den Mittelstand, muss auf der Tagesordnung bleiben. Und da ist und bleibt oberster Punkt "Mehr Netto vom Brutto". Bei kräftigem Wachstum wird sich allerdings ein Thema sehr schnell nach vorne schieben: der Fachkräftemangel. Darum wird sich die wirtschaftspolitische Diskussion dann mehr denn je kümmern müssen. Der Fachkräftemangel darf nicht zur Wachstumsbremse der kommenden Jahre werden.