Rücktritt von Verteidigungsminister Guttenberg Doktor a. D., Minister a. D.

Karl-Theodor zu Guttenberg gibt sein Amt als Bundesverteidigungsminister auf. Der Rücktritt war das Beste, was Guttenberg in seiner Situation passieren konnte. Kommentar von Burkhard Riering

Karl-Theodor zu Guttenberg bezeichnete den Rücktritt als "schmerzlichsten Schritt meines Lebens". Foto: dapd

Doktor a. D., Minister a. D.

Zuletzt war es einfach nur noch eine Qual. Wie lange will Karl-Theodor zu Guttenberg noch so weitermachen? – Das war die einzige Frage, die man sich am vergangenen Wochenende im Berliner Regierungsviertel stellte. Die Opposition forderte vehement den Rücktritt des schwer angeschlagenen Bundesverteidigungsministers, und auch aus der Union bröckelte der Rückhalt immer mehr. Schavan, Biedenkopf, Lammert – sie distanzierten sich nicht nur heimlich von zu Guttenbergs Vorgehen.

Als auch noch Heerscharen renommierter Wissenschaftler hinzukamen, spitzte sich die Lage zu. Sie ärgerten sich maßlos und deutlich über den "dreisten Betrug“ (Soziologieprofessor Oliver Lepsius). Ihr Aufbegehren ebbte auch mit der Zeit nicht ab, im Gegenteil, es wurde lauter.

Und so musste am Ende auch die (promovierte) Bundeskanzlerin einsehen, dass Guttenberg als überführter Plagiator seiner Doktorarbeit nicht mehr tragbar ist. Sie verlor ihren Kabinettstar damit schneller als gedacht. Gut zwei Jahre war Guttenberg letztlich in Amt und Würden zweier Bundesregierungen, erst Wirtschaft, dann Verteidigung.

Der Rücktritt war das Beste, was Guttenberg in seiner Situation tun konnte. Nur so kann er in angemessenem Abstand einen Neuanfang wagen. Nur wer ehrlich und integer zurücktritt und den Kopf hinhält, darf irgendwann wiederkommen. Ein mutloses Herumlavieren durch die Legislaturperiode wäre dagegen für alle bloß eine qualvolle Zeit geworden.

Doch die Geschichte ist noch nicht ganz vorbei. Die Plagiatsaffäre würde noch einmal richtig brenzlig für den Doktor a. D. und Minister a. D. werden, wenn sich die Staatsanwaltschaft Hof entschließt, zu ermitteln. Denn Fälschung ist kein Kavaliersdelikt, das hat Guttenberg inzwischen selbst begriffen.

Der noch junge Politiker wird ohnehin viel gelernt haben in den vergangenen Tagen. Zum Beispiel über Kommunikation. Dass er die Vorwürfe anfangs als "abstrus“ abtat, um dann später von "Demut“ und "handwerklichen Fehlern“ zu sprechen, war nicht klug.

Guttenberg muss jetzt zurück ins zweite Glied. Sein Aufstieg war schnell, sein Fall kam genauso prompt. Es ist eine Politkarriere im Zeitraffer gewesen. So, wie Guttenberg agiert, ist sie noch nicht zu Ende. Es würde nun nicht wundern, wenn dieser Medienstar und Liebling der "Bild"-Zeitung in einigen Jahren umso fulminanter wiederkommt. Bis dato aber heißt es: Wundenlecken für alle Beteiligten.