Lehrlinge werden zunehmend Mangelware

Trotz Wirtschaftskrise erfolgreiche Bilanz für den Ausbildungspakt

Von Lothar Semper

Lehrlinge werden zunehmend Mangelware

Zum Ende des Berufsberatungsjahres 2008/2009 könnte eine äußerst positive Bilanz gezogen werden. Allerdings geben die Zahlen auch zum Nachdenken über die Entwicklung der nächsten Jahre Anlass. Der Ausbildungsvermittlung wurden insgesamt 475.400 Ausbildungsstellen gemeldet, das sind 7,1 Prozent weniger als im Vorjahr. 533.400 Bewerber haben die Ausbildungsvermittlung bei der Suche nach einer Lehrstelle eingeschaltet, ein Rückgang um nicht weniger als 14 Prozent. Ende September standen 9.600 noch nicht vermittelten Bewerbern deutschlandweit 17.300 unbesetzte Stellen gegenüber, also fast zwei pro Bewerber. In nicht wenigen Regionen kann ein Jugendlicher unter 20 und mehr Plätzen auswählen.

Kampf um die besten
Köpfe beginnt

Noch vor fünf Jahren gab es rein rechnerisch eine Lücke zwischen Nachfrage und Angebot bei den Ausbildungsstellen von 32.200. Angesichts dieser Zahlen ist es wohl weit hergeholt, von einer frisierten Bilanz zu sprechen, wie es die stellvertretende DGB-Vorsitzende tat. Bei Industrie, Handel, Handwerk und freien Berufen wurden bis zum 30. September dieses Jahres 7,7 Prozent weniger Lehrverträge abgeschlossen als vor einem Jahr; im Handwerk ein Minus von 6,1 Prozent. Weit auffallender ist allerdings, dass zahlreiche Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten. Und genau das wird auch die Botschaft der kommenden Jahre sein. Denn die Schulentlasszahlen gehen aufgrund der demografischen Entwicklung erheblich zurück.

Nur ein Beispiel: In Bayern wird die Zahl der Absolventen mit Hauptschulabschluss bisher das Hauptreservoir für das Handwerk 2019 um rund 27 Prozent unter dem Wert von 2009 liegen. Anderen Bundesländern wird es nicht besser ergehen. Dann wird mit ungekannter Wucht unter den verschiedenen Wirtschaftsbereichen, aber auch den Betrieben einer Branche, der Kampf um die besten Köpfe einsetzen. Bei anziehender Konjunktur wird dieser Wettbewerb noch an Schärfe gewinnen. Hier muss sich das Handwerk rechtzeitig positionieren.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat schon einen Pakt für Fachkräftesicherung, der dem Ausbildungspakt nachfolgen sollte, in die Debatte eingebracht. Damit allein ist es jedoch nicht getan. Die Akquise des Berufsnachwuchses muss in jedem Handwerksbetrieb zur Chefsache werden. Gut und hilfreich ist es, wenn die Handwerksorganisationen mit einer Imagekampagne den Boden für den Erfolg der Bemühungen der Betriebe vorbereiten.