Die Ausbildungschancen ostdeutscher Jugendlicher verbessern sich mit stark rückläufigen Schulabgängerzahlen drastisch. Wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mitteilte, ist die Lehrstellensituation in den neuen Ländern weitgehend vom Arbeitsmarkt abgekoppelt.
Chancen auf Ausbildungsplatz im Osten deutlich höher als im Westen
Innerhalb von neun Jahren habe sich die Zahl der Schulabgänger um nahezu 50 Prozent von 225.500 (2001) auf 114.100 (2010) verringert. Der Trend halte an.
Auf 100 Jugendliche kamen im Osten in diesem Jahr demnach 94 Ausbildungsplatzangebote, im Westen waren es 89. Ebenso waren in den alten Bundesländern wenige Wochen nach Beginn des neuen Ausbildungsjahrs Ende September noch knapp 14 Prozent der Bewerber auf Lehrstellensuche, also 47.600. In Ostdeutschland lag der Anteil bei nur zehn Prozent, das waren 10.000 Bewerber.
Anders als für die Jugendlichen gestaltet sich die Ausbildungssituation in den neuen Ländern für die Betriebe: Ihnen mangelt es an Lehrstellenbewerbern. So hat sich die Zahl der Angebote, die nicht besetzt werden konnten, in weniger als zehn Jahren mehr als vervierfacht: 2010 waren es 3.700, 2001 rund 900. Damit konnten die Unternehmen im Osten für knapp fünf Prozent ihres Angebots keine neuen Auszubildenden finden, währen dieser Anteil im Westen bei drei Prozent lag.
Besonders hart habe es dabei Mecklenburg-Vorpommern getroffen, insbesondere die vom Tourismus geprägte Region Stralsund: In Restaurants oder Hotels sei jede zweite angebotene Lehrstelle nicht besetzt worden, hieß es.
Für die Jugendlichen lägen die größten Problemregionen des Ausbildungsmarkts inzwischen überwiegend im Westen, insbesondere in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit (über 10 Prozent). Dazu zählten die Arbeitsagenturbezirke Bremerhaven, Wuppertal, Recklinghausen, Oberhausen und Gelsenkirchen. Im Durchschnitt blieben 21 Prozent der Bewerber erfolglos - trotz Bescheinigung der Agenturen, die Voraussetzungen für eine entsprechende Berufsausbildung mitzubringen.