Zentralverband des Deutschen Handwerks Handwerkspräsident pocht auf Steuerentlastungen

Handwerkspräsident Otto Kentzler mahnt bei der Bundesregierung Steuerentlastungen an. So müsse es Korrekturen bei der sogenannten kalten Progression geben. Den Handwerkern dürfe nicht ein Großteil der Lohnsteigerungen durch die gegenwärtige Steuerregelung "geraubt" werden.

Handwerkspräsident pocht auf Steuerentlastungen

"Mehr Netto vom Brutto ist auch wichtig, damit der Konsum stabil bleibt", erklärte Kentzler. Das Handwerk profitiere vor allem vom Binnenmarkt. Außerdem müsse "das Projekt Steuervereinfachung realisiert werden". Notwendig sei eine Abschaffung von Bürokratie, um gerade die kleinen Handwerksbetriebe zu entlasten.

Seehofer gegen Festlegungen

CSU-Chef Horst Seehofer lehnt derzeit Festlegungen in der Debatte über weitere Steuerentlastungen ab. Seehofer sagte, zunächst müsse die Entwicklung der Konjunktur abgewartet werden. Es sei schließlich bekannt, "wie atemberaubend schnell es nach unten und nach oben gehen kann". Er verwies darauf, dass die CSU sich im Januar auf ein Steuerkonzept verständigen will. Vorrangige Ziele seien eine Steuervereinfachung und Maßnahmen gegen die sogenannte kalte Progression.

Kentzler kandidiert bei der Vollversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) in Bayreuth für eine dritte Amtszeit. Am Freitag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den Delegierten sprechen. Dem Verband gehören die 53 Handwerkskammern und 36 Bundesfachverbände des Handwerks an. Sie vertreten aktuell rund 965.000 Betriebe mit 4,8 Millionen Mitarbeitern, davon sind rund zehn Prozent Auszubildende.

Kentzler warnte, das Handwerk habe im zweiten Jahr in Folge "viele Tausend Lehrstellen" nicht besetzen können. Er fügte hinzu: "Wenn aber der Nachwuchs fehlt, steht im Handwerk der Fachkräftemangel bereits vor der Tür. Wir werben daher aktiv um alle Jugendlichen – um Abiturienten, Haupt- und Realschüler – für die Karriere mit Lehre."

Kentzler verwies zugleich darauf, dass Handwerker "in den meisten Berufen auch noch jenseits der 60 arbeiten können". Dank vieler Hilfsmittel gebe es körperliche Belastungen nicht mehr in dem Ausmaß wie früher. Kentzler betonte: "Die Betriebe brauchen auch eine Mischung mit erfahrenen Alten und forschen Jungen. Wir müssen niemand vorzeitig in Rente schicken." Notwendig seien vielmehr "der Leistungsfähigkeit angepasste Beschäftigungsmöglichkeiten".

"Letztlich sind flexible Möglichkeiten für den Übergang vom Berufsleben in die Rente zu schaffen – über den Gesetzgeber und über die Tarifverträge." Die Gewerkschaften sollten hier konstruktiv mitarbeiten. Bei der "unseligen Philosophie der Frühverrentung" habe es sich um "Jugendwahn auf Kosten der Sozialkassen" gehandelt", kritisierte der Handwerkspräsident.

dapd