Die Stimmung im Handwerk ist so gut wie schon lange nicht mehr. 86 Prozent der Betriebsinhaber beurteilten ihre aktuelle und künftige Geschäftslage als zufriedenstellend oder gut, heißt es in dem neuen Konjunkturbericht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.
Handwerk erwartet 2011 Umsatzplus von zwei Prozent
"Mittlerweile hat der Aufschwung alle Branchen im Handwerk erreicht“, sagte Holger Schwannecke, der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Geschäftslage werden von den Unternehmen noch besser bewertet als im vereinigungsbedingten Spitzenjahr 1994. "Die Umsätze dürften 2011 um bis zu zwei Prozent zulegen“, fügte er hinzu. Zwar werde noch immer nicht das Niveau vor der Krise im Jahr 2008 erreicht. Schwannecke zeigte sich aber zuversichtlich, auch dies in "absehbarer Zeit“ zu schaffen. Unerlässlich dafür sei allerdings sei die "positive Begleitung“ durch die Politik. Für das laufende Jahr rechnet der ZDH-Generalsekretär mit einem Umsatzplus von 0,5 Prozent auf rund 490,2 Milliarden Euro, nach 487,8 Milliarden Euro 2009 und 513,1 Milliarden Euro 2008.
Gute Geschäfte für Ausbauhandwerker
Wie Schwannecke weiter sagte, profitiert das Handwerk derzeit von der anziehenden Exportnachfrage. Dies wirke sich positiv auf handwerkliche Zulieferer und Dienstleister aus. Positiv sei auch die Lage im Ausbauhandwerk. Der Trend zur Geldanlage in den eigenen vier Wänden und in energetische Sanierungen werde auch 2011 weiter anhalten. Weniger gut sieht es im Bauhandwerk aus, hier könne nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete für den öffentlichen Bau auch 2011 mit keinem Wachstumsimpuls gerechnet werden. Im Kraftfahrzeuggewerbe sei die Talsohle mittlerweile durchschritten. Das Minus im Pkw-Geschäft schrumpfe und das Geschäft mit Nutzfahrzeugen ziehe wieder an. Auch profitierten die konsumnahen Handwerke wie das Lebensmittelhandwerk zunehmend von der besseren Beschäftigungslage. Leicht nach oben zeige auch das Gesundheitshandwerk. Etwas "zögerlicher" zeige sich der Aufschwung allerdings bei den persönlichen Dienstleistungen wie Frisören, Schneidern, Schuh- und Uhrmacher.
Insgesamt spiegelt sich der Aufschwung in einer sich zunehmend verbesserten Beschäftigungslage. Während der ZDH für 2010 mit einer stabilen Beschäftigungslage rechnet, geht er für 2011 von einem Plus von 0,5 Prozent oder 25.000 Mitarbeitern auf rund 4,77 Millionen Mitarbeitern aus. Zuletzt konnte die Zahl der Mitarbeiter 2007 etwas aufgebaut werden. Nach wie vor schwierig ist die Ertragslage vieler Handwerksunternehmen: "Die Preise stehen allgemein unter Druck“, sagte Schwannecke. "Die Ertragslage ist nicht so, wie die Betriebe das bräuchten."
Handwerk erwartet Impulse von der Politik
Von der Politik erwartet Schwannecke Impulse, die das Wachstum stärken und verstetigen. So sei die erneute Anhebung des Fördervolumens im CO2-Gebäudesanierungsprogramm für 2011 auf 950 Millionen Euro ein Schritt in die richtige Richtung. Mittelfristig müsse das Förderniveau aber mindestens zwei Milliarden Euro erreichen, um eine Verdoppelung der energetischen Sanierungsrate zu erreichen. Unbefriedend sind nach Ansicht Schwanneckes aber vor allem die zum Jahreswechsel steigenden Sozialversicherungsbeiträge und der Stillstand in der Steuerpolitik. Noch seien die Maßnahmen der Steuervereinfachung zu schwach und eine Reform der Einkommensteuer nach dem Motto "mehr Netto vom Brutto" nicht angepackt. Als "inakzeptabel“ bezeichnete Schwannecke den von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Spiel gebrachten Vorschlag, die Gewerbesteuer zu erhalten und zusätzlich kommunale Zuschläge für die Einkommensteuer einzuführen.