Bundesagentur für Arbeit Entspannung auf dem Arbeitsmarkt hält an

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist dank der anhaltend guten Konjunktur im September weiter überraschend deutlich geschrumpft. Im Vergleich zum Vormonat ging sie um 157.000 auf 3,031 Millionen Erwerbslose zurück und liegt damit auf dem niedrigsten September-Stand seit 18 Jahren.

Entspannung auf dem Arbeitsmarkt hält an

Laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) sank die Arbeitslosenquote im Bundesdurchschnitt um 0,4 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent. Sie ist in Bayern mit 4,0 Prozent erneut am niedrigsten und in Berlin mit 13,2 Prozent weiterhin am höchsten. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Rückgang der Arbeitslosenzahl um 315.000. Saisonbereinigt verringerte sich die Zahl verglichen mit August um 40.000.

Risiken gibt es immer noch

"Die Erholung geht über das Maß der üblichen Herbstbelebung hinaus", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Gleichzeitig warnte er vor unangebrachtem Schulterklopfen. Er sei zwar tatsächlich etwas überrascht von den guten Zahlen, habe aber nicht vergessen, dass in der Wirtschaftskrise vor allem die Konjunkturpakete geholfen hätten. "Ich habe im Kopf, dass wir viele Rettungsschirme aufgezogen haben", betonte Weise. Und noch immer gebe es Risiken durch die hohe Verschuldung einzelner EU-Länder und das gigantische Haushaltsdefizit in den USA. "Die Entwicklung ist wirklich schön, aber noch nicht ganz gesund", betonte der BA-Chef.

Gleichwohl rechnet er damit, dass die Arbeitslosigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit schon im Oktober auf unter drei Millionen sinken wird. Im Dezember dürfte sie dann allerdings wieder darüber liegen. Weise warnte davor, den anhaltenden Strukturwandel auszublenden. Zwar sei nach Hochrechnungen der Behörde die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs von Juli 2009 bis Juli 2010 um 353.000 auf 27,67 Millionen gestiegen. Einem kräftigen Stellenaufbau im Dienstleistungssektor mit Gesundheits- und Sozialwesen und Zeitarbeit um 456.000 stehe aber nach wie vor ein Jobabbau im verarbeitenden Gewerbe und im Handel gegenüber (minus 103.000). Allerdings seien erstmals seit der Krise wieder fast so viele Voll- wie Teilzeitarbeitsplätze aufgebaut worden.

Vom derzeitigen Aufwind am Arbeitsmarkt können auch Langzeitarbeitslose profitieren: Aktuell sind nach BA-Angaben 915.000 Leistungsbezieher länger als zwölf Monate ohne Job und damit 23.000 weniger als vor einem Monat. Die gute Konjunktur spiegelt sich auch in den Finanzen wider: Deutlich höhere Einnahmen bei geringeren Ausgaben führten mit 2,38 Milliarden Euro zu einem um fast 6 Milliarden Euro niedrigeren Haushaltsdefizit als geplant. Für das Gesamtjahr geht die Bundesagentur nach wie vor von einem Fehlbetrag von etwa elf Milliarden Euro aus.

Regierung sieht Chancen auf goldenen Herbst

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den erneuten Rückgang der Arbeitslosenzahlen als "sehr ermutigend". Vor allem junge Menschen, aber auch ältere Arbeitssuchende profitierten von den Investitionen sowie den arbeits- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen während der Wirtschaftskrise, sagte sie am Rande des Treffens mit den ostdeutschen Ministerpräsidenten in Warnemünde. Deutschland sei ein internationaler Modellfall, "viele Länder beneiden uns darum", sagte Merkel.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht die Wirtschaft auf Erholungskurs. Dass auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen abgenommen habe, zeige, dass es wieder mehr Chancen für diejenigen gebe, denen der Arbeitsmarkt lange verschlossen war, betonte die Ministerin. Als besonders erfreulich bezeichnete sie den Anstieg der Vollzeitstellen. Das Vertrauen der Arbeitgeber in die Robustheit des Aufschwungs wachse. "Obwohl Rückschläge vor allem durch nach wie vor vorhandene Risiken in der Eurozone und auf den internationalen Finanzmärkten nicht ausgeschlossen werden können, gehen wir stärker als gedacht in den Herbst und in den Winter", sagte von der Leyen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte: "Deutschland ist im Aufwind. Wir haben gute Chancen, einen goldenen Herbst am Arbeitsmarkt zu erleben."

Brigitte Caspary/dapd