Das Duell, das keines war

Steinmeier und Merkel haben zu viel gemeinsam

Von Roman Leuthner

Das Duell, das keines war

Gut, dass sich das Ende des Bundestagswahl„kampfs“ ganz rapide nähert. Dann dürfen die Kanzlerin und ihre CDU und auch der SPD-Kandidat und seine Genossen endlich wieder aus der Situation der galoppierenden Schizophrenie heraus, die sie dazu zwingt, miteinander zu streiten, nur um politischen Hardlinern und den bösen Journalisten zu gefallen.

Kritik am jeweils anderen wurde in Baumwolle verpackt

Nichts ist gegen einen gepflegten und höflichen Umgang miteinander zu sagen. Im Gegenteil, der Respekt vor dem politischen Gegner gehört zur Demokratie und ist nicht nur menschlich angenehm, sondern auch intelligent und langfristig erfolgreicher. Was die Kanzlerin und ihr Herausforderer kürzlich bei ihrem so genannten Duell im Ersten Deutschen Fernsehen geboten haben, reicht aber weit darüber hinaus. Abgesehen davon, dass keine der handelnden Personen grundsätzlich dazu neigt, drohend mit dem Schwert zu fuchteln oder gar damit loszuschlagen, wenn es auch kleine Pikser mit der Stricknadel tun, sorgten sie für Anschauungsunterricht, wie nachhaltig eine Legislatur in der Großen Koalition das jeweils eigene Profil verschleißt.

Es ist schon so: Bis auf wenige unterschiedliche Positionen, zum Beispiel beim Atomausstieg und dem Mindestlohn, gibt es weit mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Und darüber hinaus verstehen sich die beiden „Kontrahenten“ auch menschlich. Die Kritik am jeweils anderen wurde denn auch in rosa Baumwolle verpackt.

Kein Wunder also, dass der mit Hochspannung erwartete Schlagabtausch zwischen der Kanzlerin und ihrem Außenminister an den Auftritt eines alten Ehepaars vor dem Eheberater erinnerte. Beide wollen keinesfalls einen Rosenkrieg und achten einander. Gleichwohl spechtet Sie auf einen anderen, so unter der Hand gibt sie ihrem „Alten“ allerdings auch noch eine Chance. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als mit der Situation zurechtzukommen, die Selbstachtung aber diktiert, dass auch er jetzt anderen Frauenzimmern hinterherschaut.

Dabei scheut er sich allerdings davor, zu bekennen, dass ihm eine Junge mit leuchtend roten Haaren schon ganz gut gefallen könnte. Nur einen Haken hat die Sache: Die Junge von der Linken ist schrecklich radikal und hat einen schlechten Ruf …

Im Ernst: Dass Steinmeier Bundeskanzler werden will, steht überall zu lesen. Dass er dies wirklich aber auch will, kann sich beim „Duell“ nur hartgesottenen Sozialdemokraten erschlossen haben. Viele andere dürften es nicht bemerkt haben, jedenfalls nicht die, die einen „Lagerwahlkampf“ und „Richtungsstreit“ erwarteten.