Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast beim ZDH-Forum
Von Lothar Semper
Komplimente fürs Handwerk
Das Handwerk hat im Terminkalender der Bundeskanzlerin einen hohen Stellenwert. Bereits zum fünften Mal während ihrer Amtszeit hat sie vor der ZDH-Mitgliederversammlung gesprochen. Dies ist umso bemerkenswerter, da ansonsten Spitzenpolitiker sich eher nur in Wahlkampfzeiten für solche Termine Zeit nehmen. Bilanziert man für das Handwerk die jetzt zu Ende gehende Legislaturperiode, so ist festzustellen, dass dieser Wirtschaftsbereich selten zuvor so intensiv von der Politik wahrgenommen wurde; und zwar nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch durch konkrete Maßnahmen.
Beispiele dafür sind unter anderem der Handwerkerbonus, der von ursprünglich 600 Euro sogar noch auf 1.200 Euro verdoppelt wurde, sowie die Reform der Erbschaftsteuer.
Positive Maßnahmen
Trotz aller nach wie vor berechtigten Kritik bleibt Fakt, dass nun die überwiegende Mehrzahl der Handwerksbetriebe ohne Erbschaftsteuerbelastung an die nächste Generation übergehen kann. Auch aus den Konjunkturpaketen, die die Regierung angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise beschlossen hat, kann das Handwerk wesentlichen Nutzen ziehen. Nicht zuletzt deshalb dürfte das Handwerk im laufenden Jahr eine deutlich bessere wirtschaftliche Bilanz ziehen können als die Wirtschaft insgesamt. Die Kanzlerin hat das Handwerk bei ihrer Rede in Berlin als wichtigen Baustein der sozialen Marktwirtschaft bezeichnet. Das ist Lob, aber auch Verpflichtung zugleich.
Luft zum Atmen
Jede Handwerkerin und jeder Handwerker gleich ob Selbstständiger oder Arbeitnehmer sollten die Programme und Aussagen der Parteien für die anstehende Bundestagswahl am 27. September daran messen. Um weiterhin seinen wichtigen Beitrag für Wachstum sowie Sicherung und Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen leisten zu können, braucht das Handwerk Luft zum Atmen. Diese wird ihm insbesondere genommen durch die Belastung mit Steuern und Abgaben sowie durch bürokratische Hemmnisse. Dabei muss sich sicherlich jeder Wähler darüber im Klaren sein, dass die nächste Bundesregierung angesichts der rasant gestiegenen Verschuldung vor enormen Herausforderungen steht. Die Schlussfolgerungen daraus dürfen aber nicht noch mehr Belastungen sein. Und hier steht immer wieder die Mehrwertsteuer im Zentrum der Begehrlichkeiten. Wem zur Überwindung der Krise nicht mehr einfällt, der hat das Vertrauen der Handwerker nicht verdient.