Französischer Autobauer seit 90 Jahren in Deutschland Citroën: Stilikonen mit Doppelwinkel

Grund zum Feiern bei Citroën in Köln-Gremberghoven: Vor 90 Jahren startete der französische Automobilkonzern seine Aktivitäten in Deutschland.

Wursttheke im Wellblech-Transporter: Der Typ H gilt als einer der Urahnen des Transporters und wurde von Citroën mehr als drei Jahrzehnte lang gebaut. - © Citroën

Mit der Nummer 6379 wurde das von André Citroën gegründete Unternehmen am 15. Februar 1927 in das Kölner Handelsregister eingetragen. Schon von April an fertigte Citroën in Köln-Poll den B14, besser bekannt als "Der Poller". Bis heute hat der Automobilkonzern in Deutschland nach eigenen Angaben mehr als 2,8 Millionen Fahrzeuge verkauft.

Citroën nimmt für sich in Anspruch, im Jahr 1919 die Fließbandproduktion in Europa eingeführt zu haben. Doch der Absatz in Deutschland litt unter hohen Zöllen. Deshalb bauten die Franzosen im Nachbarland ihre eigene Fabrik auf, in der bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigt waren. 1934 besuchte Firmengründer André Citroën persönlich das Kölner Werk, wo der Typ 7 Front seine Premiere erlebte.

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    Mit der "Ente" gegen das Establishment: In den 1960er Jahren trug der 2 CV zum Mythos der Studentenrevolte bei. Kein anderer Citroën erreichte in Deutschland einen ähnlichen Kultstatus.
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    Im Citroën auf Verbrecherjagd: Als Kommissar Schimanski wurde Götz George im Tatort zum deutschen Botschafter für die Marke mit dem Doppelwinkel.
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    Französischer Charme für den Arbeiter- und Bauernstaat: Mit den Modellen GSA sowie BX und CX belieferte Citroën auch die DDR.
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    B14-Produktion in Köln Poll: Citroën rühmt sich als jenes Unternehmen, das 1919 in Europa die Fließbandarbeit einführte, damals noch im Stammland Frankreich. In Deutschland begann die Produktion 1927.
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    Mit dem Gangsterauto ins Wirtschaftswunder: Der Citroën Traction Avant wurde schon vor dem Krieg gebaut, kam aber in den 1950er Jahren in Deutschland noch einmal richtig in Schwung.
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    1947 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt, avancierte der Typ H zu einem Transporterklassiker, der bis 1981 mehr als 470.000 Mal gebaut wurde.
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    Der Poller: Ab April 1927 wurde der Citroën B14 von rund 500 Mitarbeitern am Produktionssstandort in Köln-Poll gebaut.

Das legendäre Fahrzeug mit Frontantrieb gilt als Vorläufer des Traction Avant, der nach dem Krieg von Citroën als „König der Landstraße“ beworben wurde, aber auch als Fluchtfahrzeug bei französischen Gangstern beliebt war. In Deutschland prägte der Traction Avant die frühen Jahre des Wirtschaftswunders mit.

So richtig in Fahrt kamen die Verkaufszahlen von Citroën in Deutschland aber erst Ende der 1950er Jahre, beflügelt von der „Ente“. Zwar war der 2 CV schon 1948 in Paris vorgestellt worden, aber die große Nachfrage in Frankreich verzögerte den Siegeszug in Deutschland. Erst in den 1960er Jahren avancierte die „Ente“ als bezahlbarer Viertürer mit der einzigartig weichen Federung zum Star der Massenmotorisierung und wurde als Auto der antibürgerlichen Gegenkultur zum Mythos der Studentenrevolte.

Götz George als Schimanski im Citroën auf Verbrecherjagd

Im Jahr 1975, kurz nach der ersten Ölkrise, verkaufte Citroën erstmals mehr als 50.000 Autos in der Bundesrepublik. Entscheidenden Anteil daran hatte der Citroën GS als weltweit erstes Mittelklassemodell mit Hydropneumatik. Später sorgte auch TV-Kommissar Schimanski für die steigende Popularität von Citroën, denn im Duisburger Tatort ging Schauspieler Götz George in einem Auto der Marke mit dem Doppelwinkel auf Verbrecherjagd. Sogar die dem Kapitalismus abgeneigte DDR ließ Citroën mit den Modellen GSA, BX und CX französischen Charme auf ihre schlaglochbestückten Straßen. Außerdem wurde 1979 in Zwickau-Mosel ein Werk zur Gelenkwellenproduktion gebaut.

Seit 2013 sitzt Citroën in Köln-Gremberghoven. Dort hat der französische PSA-Konzern seine Töchter Peugeot, DS und Citroën versammelt, um die Zusammenarbeit der Marken auf dem deutschen Markt zu verbessern.