Erfolgreiches Marketing in der Corona-Krise 8 Tipps: So lässt sich der Kundenkontakt erhalten

Die Corona-Krise sorgt dafür, dass viele Ladentüren noch bis mindestens 20. April 2020 geschlossen bleiben. Nun gilt es, sich der Stammkundschaft immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Von Gutscheinaktionen bis hin zu Videodrehs: Diese acht Marketing-Ideen für wenig Geld helfen dabei, den Zugang zu den Kunden nicht zu verlieren.

Manuela Wolf

Zum Handy greifen und einsamen Kunden Gehör schenken, auf sozialen Netzwerken für neue Aktionen werben, Gutscheine passend zu Ostern anbieten: Mit einfachen und kostengünstigen Maßnahmen lässt sich der Kundenkontakt auch in Corona-Zeiten erhalten. - © simpleblocks - stock.adobe.com

Welche wirtschaftlichen Schäden die Corona-Krise hinterlassen wird, ist noch nicht absehbar. Fest steht: Für kleine Betriebe hat der Kampf ums Überleben längst begonnen. Seit der Schließung sämtlicher nicht zur Grundversorgung notwendiger Geschäfte ist Ebbe in den Kassen. Keine Kunden, keine Einnahmen. Saisonware wird zum Ladenhüter. Frisöre dürfen keine Haare mehr schneiden, Bauern bleiben auf ihren Osterlämmern sitzen, weil die Gastronomie strauchelt. Gleichzeitig boomt der Online-Handel. Der Branchenriese Amazon wird der Nachfrage kaum Herr. 100.000 Stellen sind ausgeschrieben. Was soll eine kleine Firma dagegen ausrichten?

Mit Mailings aktiv werden

Marcus Fache kann die Verzweiflung, die um sich greift, gut verstehen. Dort, wo unmittelbarer Kundenkontakt Voraussetzung ist für das Geschäftsmodell, gibt es kaum eine Alternative zum Stillstand. Der Geschäftsführer der Heidenheimer Werbeagentur Dreamland rät Unternehmern, den Kopf trotzdem nicht hängen zu lassen: "Gerade jetzt ist es überlebenswichtig, den Kontakt zu Stammkunden zu suchen. Das geht prima über Mailingaktionen. Wer Kontaktdaten gut gepflegt hat, tut sich damit leicht. Allen anderen empfehle ich, nun Telefonnummern zusammenzutragen, Mailadressen zu erfragen – und dann loszulegen.“

Elke Gottstein geht mit ihrer Konditorei in Heilbronn einen anderen Weg. Zusätzlich zu den drei Öffnungstagen pro Woche bietet die "Süße Fee Elke“ einen Lieferservice für Privathaushalte an, und das ganz ohne Mehrkosten. "Das ist ein Bonus für unsere Kunden und ein Hoffnungsschimmer für meinen Betrieb“, sagt sie. Neben einzelnen Kuchen- oder Tortenstückchen kann man sich auch Kaffee von einem örtlichen Kaffeehaus mitbestellen oder Brot und Brötchen, die ein befreundeter Bäcker herstellt: "Bisher kamen die Leute zu uns in die Konditorei. Nun kommen wir eben zu den Leuten. Gerade die, die im Moment nicht das Haus verlassen wollen, sind dankbar dafür.“

Lese-Tipp: Auch andere Handwerker zeigen, wie sie mit kreativen Maßnahmen, die Corona-Krise bewältigen.

8 Ideen: Kundenkontakt in der Corona-Zeit

Marcus Fache und Elke Gottstein haben noch weitere Marketing-Tipps, deren Umsetzung allesamt wenig bis gar kein Geld kostet:

1. Ein Gutschein zu Ostern

In wenigen Tagen ist Ostern, ein Fest, bei dem üblicherweise die ganze Familie zusammenkommt. Doch in diesem Jahr fällt das große Wiedersehen aus. Die damit verbundenen Umsätze lassen sich teilweise durch Gutscheine kompensieren. Elke Gottstein: "Kontaktlos bestellen, mit Paypal bezahlen, per Mail an Freunde schicken, das ist eine Idee, auf die ich bisher gar nicht bekommen bin. Dieses Angebot werden wir beibehalten.“

2. Rabatte mitverkaufen

Vergünstigungen sind eines der ältesten Lockmittel, die der Handel kennt. Das können sich Unternehmer jetzt zunutze machen. Einfach Wertkarten anbieten und sofort einen Preisnachlass gewähren. So bezahlen Kunden beispielsweise für 100 Euro Gegenwert nur 85 Euro und freuen sich über das Schnäppchen, während sich die Betriebe über Unterstützung in Form kleiner "Kredite“ freuen.

3. Auf den Ton achten

"Wichtig ist, bei der Werbung in diesen Tagen auf ein gutes Maß und einen guten Ton zu achten. Wer seine Produkte täglich aggressiv bewirbt und nur aufs Verkaufen aus ist, wird das Gegenteil bewirken“, sagt Marcus Fache. Er rät stattdessen, soziale Medien zu nutzen, um Persönliches in den Mittelpunkt zu stellen. Ein paar Gedanken zur Situation, Einblicke ins Homeoffice mit Kindern, "da hat man die Gelegenheit, auch mal eine andere Seite zu zeigen von sich.“

4. Videos drehen

Viele kleine Firmen haben sich bis jetzt nicht mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt. Warum nicht jetzt die freien Stunden nutzen, um einen Youtube-Channel anzulegen und dort mit dem Handy gedrehte Videos einzustellen? Die Tipps für Heimwerker, Hobbyköche, Hobbysportler, die in der Fachsprache Tutorials genannt werden, haben nachgewiesenermaßen einen immensen Werbeeffekt.

5. Zum Telefon greifen

Betriebe, die viel ältere Kundschaft haben, sollten sich nicht scheuen, in diesen Wochen zum Telefon zu greifen. Oft sind die Senioren dankbar, dass sie nicht aus dem Haus müssen und trotzdem nicht auf neue Stützstrümpfe oder einen Strauß frische Tulpen auf dem Frühstückstisch verzichten müssen. An drei Tagen pro Woche werden Bestellungen gesammelt und vorbereitet, an zwei Tagen ausgeliefert.

6. Spontan sein

Frühlingswetter an einem Sonntagnachmittag und die ganze Stadt sehnt sich nach einer Kugel Eis? Marcus Fache unterstützte eine Eisdiele in seiner Heimatstadt Heidenheim bei der schnellen Umsetzung einer Werbeaktion. Ein Post auf Facebook wurde an sämtliche Freunde, Bekannte und Geschäftspartner verschickt mit der Bitte, ihn zu teilen. Lieferung frei Haus, Bestellungen direkt über den Account – und an einem Nachmittag waren ein paar hundert Kugeln verkauft.

7. Unterstützer suchen

Um Hilfe zu bitten macht sympathisch, zu helfen sorgt für ein gutes Bauchgefühl. Verschiedene Internetplattformen versuchen, gebeutelte Betriebe und deren Fans zusammenzubringen. So können Unternehmer beispielsweise unter www.gofundme.com ein Firmenportrait einstellen und sagen, wofür sie Hilfe dringend benötigen. Der Link wird anschließend auch an Stammkunden verschickt. Seriöse Initiatoren verlangen lediglich Transaktionsgebühren.

8. Das Danke nicht vergessen

Werbeexperte Marcus Fache will nicht verschweigen, dass ihm die aktuelle Situation Sorgen macht. Bei aller Kreativität dürfe man sich von Werbung nicht zu viel erwarten. Projekte, die heute aufgeschoben werden, seien in ein paar Wochen vielleicht Geschichte. Aber wenn der Alltag zurückkommt, dann weiß er, was er tun wird: seinen Stammkunden auf allen Kanälen Danke sagen dafür, dass sie ihm in einer Phase, in der gar nichts mehr ging, die Treue gehalten haben.