Die als Lübecker Märtyrer bekannten drei katholischen Geistlichen sind am Samstag seliggesprochen worden. Der Päpstliche Delegat Angelo Kardinal Amato verlas in einem Pontifikalamt unter freiem Himmel im Lübecker Domviertel vor 8.000 Gläubigen die Urkunde über die Seligsprechung der Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller.
8.000 Christen feiern Seligsprechung der Lübecker Martyrer
Lübeck (dapd). Die als Lübecker Märtyrer bekannten drei katholischen Geistlichen sind am Samstag seliggesprochen worden. Der Päpstliche Delegat Angelo Kardinal Amato verlas in einem Pontifikalamt unter freiem Himmel im Lübecker Domviertel vor 8.000 Gläubigen die Urkunde über die Seligsprechung der Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller. Es war die erste Seligsprechung in der Geschichte Norddeutschlands.
Die Priester hatten sich zu Beginn der 1940er-Jahre gemeinsam mit dem protestantischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink öffentlich gegen das NS-Regime gestellt. Am 10. November 1943 bezahlten sie diesen Einsatz mit dem Leben. Seitdem gelten die Geistlichen in Lübeck als "die vier Märtyrer".
Papst Benedikt XVI. hatte die Seligsprechung der drei katholischen Kapläne bestimmt. Da die protestantische Kirche keine Seligsprechungen zulässt, ehrten Christen beider Konfessionen den evangelischen Pastor Stellbrink am Freitag mit einem ökumenischen Gottesdienst.
Von Gestapo beobachtet
Zu den Lebzeiten der vier Geistlichen hatte die Gestapo sie monatelang beobachtet. "Wehrkraftzersetzung, Heimtücke, Feindbegünstigung und Abhören von Feindsendern" warfen die Ankläger des Volksgerichtshofes ihnen vor. "Tod durch das Fallbeil", lautete das Urteil. Gemeinsam starben die vier Geistlichen im Hof des Hamburger Gefängnisses am Holstenglacis.
In seiner Predigt zur Seligsprechung erinnerte Kardinal Walter Kasper an die letzten Stunden der Verurteilten. In ihren Abschiedsbriefen stehe nichts von Angst, nichts von Panik, nichts von Depression.
"Diese Männer sagen uns, was es heißt, ein Christ zu sein: Stehen, wofür Jesus Christus steht, mit ihm leben und mit ihm sterben. So wie Jesus vor dem ungerechten zynischen Richter Pilatus stand, der ihn ans Kreuz schickte, so standen diese vier Männer vor dem Volksgerichtshof und wurden nach dem Willen Hitlers verurteilt", sagte Kasper. Fast unbemerkt habe das gemeinsame Wirken der Vier eine bis dahin nicht gekannte Einigkeit beider Kirchen mit sich gebracht.
Historische Stunde für Ökumene
Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung der Nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche, nahm in seiner Rede diesen Gedanken auf. Die vier Männer hätten "ein Martyrium der Ökumene unter dem Kreuz Jesu erlitten." Diese durchlittene Ökumene gebe den Christen eine "deutliche Richtung" an, sagte er. Als Symbol für die Ökumene der vier Geistlichen zündeten Nachfahren der Seliggesprochenen vier miteinander verbundene Kerzen an.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) würdigte die Seligsprechung als ein historisches Ereignis für das Land. "Historisch ist diese Stunde auch, weil sie katholische und evangelische Gläubige gemeinsam begehen. So eine ökumenische Feier ist einmalig in ganz Deutschland", sagte Carstensen.
dapd
